Duftbaeumchens Blog

Archive for Juli 2006

im Trüben gefischt

Posted by duftbaeumchen - 17. Juli 2006

Unter den Einäugigen ist der Blinde König.

Oder so ähnlich.


Es ist Wochenende, sonnig und warm.
DasLutzel radelt zur Entspannung und Regeneration in die Natur, um für ein paar Stunden dem tristen und harten Alltag zu entfliehen, die Seele und andere Körperteile freiluftig baumeln zu lassen.

Und um zu lernen.


Früher hieß es: "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen."

Nun gut. Die alten Zeiten sind vorbei, heute schöpfen wir unser Wissen aus anderen Quellen.

Die Quelle der Erkenntnis liegt bzw. sitzt nur wenige Meter von mir entfernt. Wer es mal erkunden will: Leipzig, Kulkwitzer See, Markranstädter Seite, ziemlich weit hinten unten, kurz vor dem Bootsverleih.

Hier sprudelt Fachkompetenz ohne Ende.
Hier trifft man sich zu ungezwungener Konversation, wertet die aktuelle Tages- und Weltpolitik aus und kann mal so richtig zeigen, was man in der Schule des Lebens so alles gelernt hat. Oder auch nicht. Regelmäßig, sobald die Sonne scheint und das Quecksilber die magische 23°C-Marke übersteigt; also von Frühjahr bis Herbst.

Man, das ist ein kleines, wechselndstarkes Grüppchen mittelalter Herren, welches ab und zu auch von zwei/ drei mitreisenden Ehe- oder Lebensabschnittsfrauen verstärkt wird.
Dabei schweifen die Herrschaften auch gerne mal in historische Gefilde ab und beleuchten bzw. bewerten wissenschaftlich belegte Ereignisse.
Da am FKK die Kleidung als Status- und Machtsymbol keine hinreichende Rolle spielt, muß die gesellschaftliche Rangfolge innerhalb der Gruppe durch andere persönliche Merkmale hergestellt und gefestigt werden. Zum Beispiel durch lautstarke, hingebungsvolle und vor allem bestimmende Ausbreitung des eigenen Wissens – auch wenn es nur zu geringen Teilen der wissenschaftlich fundierten Wahrheit entspricht. Da werden die Russischkenntnisse ausgepackt (Wie war das doch gleich mit den sechs Fällen?), Kolumbus und Magellan zur Entdeckung Indiens und Amerikas auf die Reise geschickt oder die Entwicklung des Ölpreises diskutiert.

Ich sag ja, lieber kopflos als gar kein Gehirn. Je bestimmter ich auftrete, desto mehr scheint meine Meinung die richtige zu sein.

Solange die anderen nicht klüger sind
und es wirklich besser wissen.


Doch sie wissen es nicht besser und so beschränken sich auch kleinere Streitereien auf ein Minimum. Der unwissendere gibt nach.

Neben meiner – wissenschaftlich belegten – spannenden und zugleich lehrenden Lektüre habe somit auch ich die kostenlose Möglichkeit, ganz nebenbei und unverbindlich meinen aktuellen und geschichtlichen Kenntnisstand aufzufrischen.

Ich bin nur froh, daß in diesem Bereich des Strandes nur sehr wenig bis gar keine Kinder zugegen sind.

Die würden nur mit den Lehrern streiten.

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konzertierte Aktion

Posted by duftbaeumchen - 17. Juli 2006

Alternativ standen zur Auswahl: Inlinern in lauer Abendluft, zaungästeln beim Depeche-Mode-Konzert oder schlendern über den Nachtflohmarkt.
Die Entscheidung fiel zu Gunsten der Synthipopper der 80er und 90er.

Wie die in den vergangen Jahren bereits begleiteten Konzerte der kugelnden Steine und Grönemeyers Herbert – um nur zwei zu nennen – wollten wir (Frau Manja, Frau Konsi [geändert, d.R.] und ich) auch dieses nicht direkt an der Basis, sondern rein akustisch und vor allem gemütlich verfolgen.

Die Vorgruppe musizierte bereits, als wir ankamen.
Die eigentlich für solche Zwecke prädestinierte und für derart Unternehmungen schon mehrfach genutzte und in Stadt und Land bekannte Wiese unweit des Konzertareals war frisch gemäht.

Und umzäunt.


Die Fußball-WM zog sozusagen ihren Schatten hinter sich her und vergaß dabei, die dereinst für die Sicherheit notwendigen, nun aber hinderlichen Absperrutensilien wieder zu entfernen.

Also nix mit weicher Unterlage.


Doch der kluge Mann sorgt vor (luftgepolsterte Iso-Matte) und auch auf dem angrenzenden und harten Asphalt läßt sich – zwar nicht vortrefflich, so doch trocken und relativ gezieferfrei – lagern. Wie bereits zahlreiche Besucher vor uns, schlugen wir unser Biwak auf und machten es uns gemütlich.
Zur lukullischen Untermalung des Abends wurden Rot- und Weißwein, Baguette, Käse und Würstchen gereicht. Notfalls hätte ich auch noch einen warmen, weichen Keksriegel im Rucksack gehabt.
Ob Einzelkämpfer oder Kleingruppen, immer mehr Musikfans ließen sich links und rechts unserer Lagerstatt nieder und bildeten ein Spalier für das flanierende und eventuell noch platzsuchende Fußvolk.

Die Haute-Couture-Modenschauen von Paris, Mailand und Rom sind ein Sch***dreck gegen das, was einem bei solchen Ereignissen – auf neudeutsch Events – geboten wird. Ob Preßwurstoptik, Spargeltarzan oder klassische Bermuda mit weißen Socken in Sandalen – das Auge ißt schließlich mit.

Die Combo spielt dazu die alten und neuen Hits, den Soundtrack zum Film sozusagen.

"Fegefeuer der Eitelkeiten
oder
"Auf dem Laufsteg ist die Hölle los."


Auch der Flirtfaktor kommt bei solchen Veranstaltungen nicht zu kurz. Eine – optisch gefühlte – Endvierzigerin lächelt mich zweimal lüstern an, als sie an uns vorüberwandelte.

Ich habe also noch Chancen.


Da ich jedoch in Begleitung zweier Damen war, zügelte ich mich und ließ sie ziehen.

Vielleicht das Glück meines Lebens – ich werde es nie erfahren.


Alles in allem war es trotzdem ein vergnüglicher Abend.

Glücklicherweise spielte die Band nicht allzu lange…

… zwei Flaschen Wein reichen ja nun mal nicht ewig.


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Strandkämpfer

Posted by duftbaeumchen - 15. Juli 2006

Also ich hätte die Tüte längst in den Dreck geklatscht und mit Nichtachtung bestraft.

Der am FKK-Strand wenige Meter von mir entfernt lagernde Mittfünfziger jedoch zeigte sich sehr geduldig.
Mit Aufreißen allein ging’s nicht; auch bei Einsatz eines hervorgezauberten Taschenmessers (der Jäger im Manne) samt Miniaturschere (offensichtlich minderer Qualität) zeigte sich besagtes Verbundstoff-Behältnis (keine Ahnung, was da drin war) sehr zugeknöpft und verweigerte sich vehement seinen Öffnungsversuchen.
Letztlich und nach einigen Minuten gab die klügere nach. Geschafft, die Tüte war bezwungen.

An sich keine Aktion, die der besonderen und ausführlichen Bemerkung bedurfte.

Wenn, ja wenn ER nicht die ganze Zeit vornübergebeugt (den Kopf fast an den durchgedrückten Knien) seinen durch Erschlaffung gekennzeichneten Hintern gen Sonne gestreckt hätte.

Genau in meine Richtung. Soweit kann man gar nicht weggucken.

Manchmal ist FKK doch nicht so schön.


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Seitenzähler

Posted by duftbaeumchen - 14. Juli 2006

Zufälle gibts…

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Blitzbuben

Posted by duftbaeumchen - 13. Juli 2006

Auch wenn sich die Spitzbuben noch solche Mühe geben, einen erwischt man immer…

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fast wie Urlaub

Posted by duftbaeumchen - 12. Juli 2006

Abends auf dem Balkon sitzen, ein Gläschen Rotwein in der Hand, im Hintergrund plätschert "Café del Mar" aus den Lautsprechern und die Schwalben zischen im Sturzflug über meinen Kopf hinweg.
 
Einfach nur schön.
 
Und der Mond guckt zu.
 
 

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Ersatzteilspender

Posted by duftbaeumchen - 12. Juli 2006

… na für das Geld bekomme ich doch auch schon eine Hose im Ganzen…
 
 

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Strickliesel

Posted by duftbaeumchen - 10. Juli 2006

Es soll Frauen geben, die gerne einkaufen.

Hab‘ ich zumindest mal gehört.


Und einige von denen – so die Überlieferung – sind anschließend von ihrem Beutezug so begeistert, daß sie die frisch erworbene Gewandung gar nicht mehr ablegen und sofort und am gleichen Tage der staunenden Mitwelt präsentieren wollen.

Regelrecht dazu gezwungen werden.


Selbst wenn noch kleine schnitttechnische Modifikationen notwendig sind.

Die Frau von Welt verzieht sich daraufhin in ein stilles Eckchen, kramt gedanklich in ihren Erinnerungen an den schulischen Handarbeitskurs und schneidert sich das Teil kurzerhand passend. Nichts leichter als das. Damenhandtaschen sind bekanntlich unergründlich und bei tiefgehender Beschäftigung mit selbiger lassen sich Nadel, Faden und zuweilen auch eine kleine Nähmaschine zu Tage fördern.
Schwuppdiwupp sind Ärmel verlängert, komplizierte Paillettenmotive apliziert und Knopflöcher versetzt.
Die Beherrschung solcherart Tätigkeiten wurden frau mit der mütterlichen Milch infiltriert; das läuft ganz locker von der Hand. Auch an den unwirtlichsten Plätzen.
 
Nun projizieren wir dieses Bild einmal auf das Komplementärgeschlecht.

Man(n) kauft sich ein neues Beinkleid; Man(n) möchte, nein muß es am gleichen Abend noch ausführen und der holden Weiblichkeit präsentieren.
Widrige Umstände verhindern jedoch den heimischen Boxenstop nach dem Textilkauf. Die Option, eine professionelle Änderungsschneiderei in Anspruch zu nehmen, wird aus Ermangelung an Zeit gar nicht erst näher bewertet.

Die Hose ist also zu lang.


Der kosmopolitisch gebildete Mann und Mensch läßt sich davon jedoch nicht beirren. Vielmehr erlaubt ihm diese vertrackte Situation, aus und über sich hinauszuwachsen. Er offenbart der staunenden und  vor allem weiblichen Öffentlichkeit, was wirklich in ihm steckt.

Auch wir Männer können mit Nähgarn und Stopfpilz umgehen.

Wir zeigen das nur nicht so.


Wir sind doch keine Mädchen.


Wenn es jedoch die weltpolitische Lage erfordert, sind wir selbst unter ungünstigsten Bedingungen fähig und bereit, gestalterische und handwerkliche Höchstleistungen zu vollbringen.

Das tapfere Schneiderlein sitzt dann sogar bei Kerzenschein und näht Hosenbeine um.

Ich war dabei und hab’s gesehen.

Vorigen Donnerstag nach dem Salsakurs.


Sala, unser Tanzlehrer und wie sich herausstellte gelernter Schneider, ging ihm zur Hand.

Also vielmehr ans Bein. Genauso schnell wie er tanzt, kann er auch nähen.

Respekt.


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Abseits III

Posted by duftbaeumchen - 9. Juli 2006

Die internationale Groß- und die spezielle Kleinwetterlage in und um Leipzig veranlassten mich am Samstag (gestern sozusagen) zu einer ausgedehnten Shoppingtour. Erst zum EKZ am Rande der Stadt, dann in selbige mitten hinein.
Ich war bereits ca. 5 Stunden per pedes unterwegs, da erreichte mich auf dem Heimweg eine mobile und kurze Nachricht. "… hast du lust heute abend mit mir in die stadt(augustusplatz) zu gehen und fußball zu gucken?" (1)
Bloß gut, daß ich da soeben herkam. Aus der Stadt.

Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet.
Schnuckeline (hdl) – momentan bis über ihre zwei kleinen Ohren hinaus in Prüfungsstresslinge eingebuddlt – gönnte sich eine Lernpause.

Eigentlich wollte ich den Abend gemächlich ausklingen lassen, die geschundenen Füße hochlegen und entspannen. Also nicht nur die Füße, so ganz allgemein.

Ein 20-km-Dauerlauf ist weniger anstrengend als ein Schlendrian von Kleiderständer zu Kleiderständer, von Kaufhaus zu Kaufhaus. Die Mehrzahl der Frauen wäre froh, einen Mann wie mich an ihrer Seite zu wissen, der geduldig 827 Hemdchen, Blüschen und Höschen in ebenso vielen Kaufmannsläden begutachtet, um am Ende ohne passendes Kleidungsstück wieder gen Heimat zu pilgern. Die in den großen Einkaufstempeln gruppenförmig auf separaten Sitzgelegenheiten drapierten meist männlichen Taschenträger zeugen von der genetisch bedingten Verständnislosigkeit weiblichen Jagdinstinkten gegenüber. Der Mann als solches ist eben nur mit.
Mir scheint, bei meiner Herstellung ist programmiertechnisch das eine oder andere Modul aus der falschen Schublade gezogen worden – ich bin anders. Aber das führt hier zu weit und mich vom Wege ab.

Weiter im Text.
Ich hatte sogar Glück, etwas passendes zu finden. Und auch wieder nicht.
Hemd N°1 wurde in der Zeit, die ich brauchte, um vom Kleiderständer zur Kasse zu gelangen – geschätzt ca. 20 Sekunden – um fünf Euri im Preis gesenkt. Statt 19,95 nur noch 14,95. Mein Einwand, das Teil für diesen minderen Betrag dann doch nicht zu erwerben, wurde von der Kasseuse kurzerhand abgewiesen. "Entweder sie nehmen es für 14,95 oder gar nicht." Da ich keine Lust auf weitere Diskussionen hatte, ließ ich mich breitschlagen.
Das gesparte Geld kann man ja auch anderweitig in Ware tauschen.

Irgendwann mal.


Bei Hemd N°2 verließ mich das Glück dann auch gleich wieder.
Prinzipiell gefiel es mir schon; auch die Besichtigung meines Spiegelbildes verstärkte den Kaufzwang zusätzlich. Als ich dann jedoch beim Ausziehen einen flüchtigen Blick auf das kleine unscheinbare Schildchen am Fädchen am Stöffchen warf, schlug die positive Grundstimmung spontan in Abneigung um. "Nee, so richtig zufrieden bin ich dann doch nicht." Der Verkaufsberater freute sich bestimmt schon ein Loch in den Bauch, diesen Fetzen Stoff unters Volk gebracht zu haben.
Nicht mir mir. 64,95 Euri sind für ein kurzbeärmeltes Sommerhemdchen eindeutig zu viel. Analog zu den Preisstrukturen bei Dessous und Bademoden: je weniger Stoff, desto mehr Geld.
Und eigentlich gefiel es mir sowieso nicht. Dieser Schnitt, die Farbe und das Material erst… Einfach grässlich. Sowas kauft doch niemand.

Doch ich schweife ab.

Frau Dr. i.A. P. mußte also mal raus. Ein großrahmiges Fußballspektakel erschien ihr als optimales Mittel abzuschalten.
Kann man solch einer Bitte, vielmehr diesem Hilferuf einer verzweifelten Kreatur mit Ignoranz, gar mit Ablehnung begegnen?

Natürlich nicht.


Ich mußte somit die bis heute (Sonntag) Mittag anberaumte Regenerationsphase auf zwei Stunden verkürzen. Essen, Trinken, Aufhübschen.

Eine Stunde vor Anpfiff trafen wir im "Public View"-Bereich auf Herrn H. nebst Bruder und werter Gattin. Frau M. (hdal) konnte der Veranstaltung aus innerbetrieblichen Gründen leider nicht beiwohnen. Schade.

Ganz so kuschelig wie am Dienstag war es zwar nicht, trotzdem hatten reichlich Öffentlich-Gucker den Weg in die Innenstadt gesucht und gefunden.

Bunt bemalt, beschalt und bemützt.


Um nicht unnötig aufzufallen und als Ahnungslose enttarnt zu werden, wurden Frau P. und meine Wenigkeit von international renommierten Make Up-Artisten beiseite genommen und dem Anlaß entsprechend optisch modifiziert. Die für extra und hochgradig weiße Wäsche bekannte Firma Henkel stellte dafür eine besonders fettreiche und an Kleidungstücken vorzüglich haftende Schminke in den Landesfarben bereit.
Jetzt erst gehörten wir richtig dazu und harrten der Dinge, die den weiteren Verlauf des Abends prägen sollten.
Frau P. – ausgewiesene und selbstbekennende Nichtbiertrinkerin – hatte ständig Behältnisse mit Gerstensaft in den Händen. So verwunderte es auch nicht, daß die Damen zeitgleich mit dem männlichen Rest der Gruppe halbzeitig im Getümmel verschwanden und mich mutterseelenallein zurückließen. Sozusagen die Stellung zu halten.
Und unsere Position war nicht die schlechteste. Rein sichtmäßg. Die optische Verfolgung des Spieles verlief zumindest in der ersten Halbzeit sehr entspannt. Vielleicht bin ich in den letzten Tagen gewachsen oder die größenmäßige Verteilung der Zuschauer war eine andere, als beim vorhergehenden Spiel der deutschen Mannschaft.
Ich tippe auf letzteres.

Diesbezüglich schlage ich an dieser Stelle den Veranstaltern solcher Massenzusammenkünfte vor, eine generelle Einteilung in körperhöhenabhängige Gruppen vorzunehmen und diese entsprechend im Gelände zu verteilen. Man sieht einfach besser.
Derartige Ereignisse entwickeln eine Eigendynamik, das glaubt man kaum.
Gerade noch freie Sicht nach vorn, fünf Minuten später schon ist der Blick durch Hälse, Köpfe und andere menschliche Extremitäten verbaut. Und keiner der Beteiligten hat sich dabei merklich bewegt.
Besonders nachteilig macht sich das bei Frei-, Straf- und anderen Stößen bemerkbar.
Das Publikum ist live dabei und macht mit.

Mit den Händen.


Erst zappelnd dicht über den Köpfen, dann nach oben schnellend im Moment des Schusses. Vom Spielgeschehen ist da nicht mehr viel zu sehen; die wirklich interessanten Szenen bleiben dem nicht direkt vor der Leinwand (2) stehenden Betrachter verborgen. Dafür kann man ganz genau sehen, ob die Finger der Vorstehenden gewaschen sind.

Sofern es die Lichtverhältnisse zulassen.


Außerdem gibt’s ja die Zusammenfassung in der Sportschau.

Vielleicht.


Als die Damen vom Bier-wegbringen und die Herren vom Nachschub-besorgen zurückkamen, hatte sich die quasi-optische Sicht zu unseren Gunsten verschlechtert.
Irgendwas geht aber immer, man muß nur flexibel genug sein und leichten Schrittes passende Lücken suchen. Die Leinwand in ihrer ganzen Größe konnte ich allerdings erst nach dem Spiel wieder bewundern.
Macht nichts, wir haben ja gewonnen. Und die Tore wurden ausreichend infernal-akustisch untermalt.

Zumindest die für unsere Mannschaft wichtigen.


Damit waren die euphorischen Reaktionen der Anwesenden das ganze Gegenteil zum dienstäglichen Debakel. Hupkonzertierende Autokolonnen durchpflügten die Stille der Nacht. Menschenmassen pilgerten gröhlend, pfeifend und jubilierend von A über B nach C. Freude und Frohsinn allerorten. Nur die portugisischen Restaurants waren Orte der Besonnenheit.
Wir pilgerten mit. Ncht ohne an diversen Getränkeausgabestellen technische Rast zu machen. Der menschlische Organismus muß nun mal durch reichlich Flüssigkeitszufuhr funktionstüchtig gehalten werden. Das ist eine biologische Gesetzmäßigkeit und bei der Wärme besonders wichtig und unabdingbar.

Da gannsde nüschd machen, da mussde dorsch.


Schließlich beendeten wir frohen Mutes in der Morgendämmerung unsere kleine spontane Unternehmung. Herr H. als Pedalist, Bruder H. nebst Gattin mit der Taxe und ich nahm Frau P. unter den Ärmel und lieferte sie höchstselbst zu Hause ab. Da, wo sich Fuchs und Hose buchstäblich "Gute Nacht" sagen; am Ar*** der Welt eben.
Vier Uhr zweiundzwanzig zeigten die Leuchtziffern, als ich mein Bett bestieg.
Vier Uhr zweiundzwanzig schickte sich der Tag an, zu neuem Leben zu erwachen.

Das Endspiel fand heute mal ohne mich statt.


Wir sind ja bereits Weltmeister. Man(n) muß auch mal Pause machen und aufhören, wenn es am schönsten ist.

Schluß jetzt. Reicht.


Fußball interessiert mich doch gar nicht.

—–
(1) Auf Zeichensetzung und Groß-/ Kleinschreibung möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Der Leser von Welt versteht auch so, was gemeint ist.

(2) Die Leinwand war natürlich gar keine. Im Zeitalter der modernen Projektions- und Rechentechnik wird nicht mehr mit schnöder Stofftapete gearbeitet. HiTec auf 65 qm bringt die Geschehnisse bis in die hintersten Reihen – sofern nicht allzuviele Köpfe den Weg versperren.

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Geisterstunde

Posted by duftbaeumchen - 9. Juli 2006

Berlin, 09.07.2006, "Fanmeile", Einzug der Gladiatoren

Teamgeist 82 Mio.


Was sollen uns diese Worte sagen?
Selbst die Spieler unserer Fußball-Nationalmannschaft konnten diese Frage wohl nicht eindeutig beantworten.
Mir schien sowieso, die Herren waren für die falsche Veranstaltung programmiert. Sie antworteten auf Fragen, die ihnen nicht gestellt worden waren und ignorierten konsequent die Ausführungen der Moderatoren.

Das waren bestimmt nur Klone.


Ballack und Co. sind längst im Urlaub und haben ein Geisterteam geschickt.

Das erklärt auch die ominöse Aufschrift auf ihren Trikots. Es fehlte nur das Leerzeichen zwischen Team und Geist.

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