Duftbaeumchens Blog

Abschnittsbevollmächtigter

Posted by duftbaeumchen - 18. Juli 2006

"Einmal Rundschnitt bitte, aber nicht so kurz."


Das war mein Spruch.


Früher, in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, meine Körperbehaarung konzentrierte sich noch hauptsächlich auf einen relativ gesehen kleinen Bereich oberhalb des Halses, mußte auch ich ab und zu zum Friseur. Den optimalen Zeitpunkt berechnete meine Mutter nach einer mir nicht erkennbaren Formel – oder anders ausgedrückt: Mütter haben das im Gefühl.
Bei männlichen Kindern allerdings anders als bei weiblichen.
Deshalb mußte ich auch viel öfter zum Haareschneider als Schwester K.

Wesentlich öfter.


Doch das war auch nicht nur nachteilig. Mit Adler-, Argus- und allen mir damals zur Verfügung stehenden Hühneraugen, beobachtete ich aufmerksam die Schnittführung des Meisters, die Art und Weise, wie er geschickt und behende meine vorjugendliche und wesentlich üppigere Haarpracht in neue Form brachte.
Wobei… Eine neue Form in dem Sinne war es ja nicht direkt. Eigentlich sah ich aus wie vorher, nur waren die Zotteln eben ein paar Zentimeter kürzer.

Die Beobachtungen beim Coiffeur sollten mir auch im häuslichen Bereich noch von Nutzen sein.

Und so möchte und muß ich mit nachstehender Schilderung eines Ereignisses aus früher Jugend die Welt- und insbesondere die familieninterne Geschichtsschreibung in neue Bahnen lenken.

Es begab sich also zu einer Zeit…

Um es abzukürzen: Ich legte Hand an die Haarpracht meiner kleinen Schwester.
Nicht, weil ich Langeweile hatte oder Spielzeug jedweder Art kurzfristig nicht zur Verfügung stand.
Nein.
Diese, damals frevelhafte und heutzutage bei Familienfestlichkeiten immer wieder gern zum Besten gegebene Tat hatte rein praktische Gründe. Auch wenn die wahre Ursache gern verdrängt und verschwiegen wird, so betone ich hier und jetzt mit Nachdruck:

Der Kaugummi war schuld!


Ein elendiger und vor allem hinterhältiger West-Kaugummi.
Warum kriecht der auch auf den Kopf des Kindes und versucht sich im Gezausel zu verstecken?
Ich habe mir doch alle erdenkliche Mühe gegeben, ihn rückstandsfrei zu entfernen. Die Kauketscher aus dem kapitalistischen Ausland waren damals besonders anhänglich und wollten nun mal partout nicht loslassen.
Also mußte ich zum äußersten Mittel greifen und besann mich auf die Lehrvorführungen meines Friseurs.
Aus der Perspektive des Kunden sah das immer ganz einfach aus. Hier ein bisschen weg, dort ein Zipfelchen abgeschnitten und kurz drübergekämmt. Fertig.
Eine Mark fünfunddreißig wechselten den Besitzer und ich hatte wieder Ruhe für einige Wochen.

Na das kann ich auch.


Ich schnitt des verklebte Haarbüschel einfach ‚raus und war höchst zufrieden mit meiner Leistung.

Der Schandfleck war verschwunden.


Ersetzt durch einen neuen.


Zumindest in den Augen meiner Mutter.
Offensichtlich war sie mit meinen Vorstellungen moderner Haarmode nicht ganz einverstanden.
Naja, damals waren die Zeiten auch noch nicht so progressiv wie heute.

Da fällt mir ein: Ich bekomme
doch eigentlich noch Geld…

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