Duftbaeumchens Blog

Strickliesel

Posted by duftbaeumchen - 10. Juli 2006

Es soll Frauen geben, die gerne einkaufen.

Hab‘ ich zumindest mal gehört.


Und einige von denen – so die Überlieferung – sind anschließend von ihrem Beutezug so begeistert, daß sie die frisch erworbene Gewandung gar nicht mehr ablegen und sofort und am gleichen Tage der staunenden Mitwelt präsentieren wollen.

Regelrecht dazu gezwungen werden.


Selbst wenn noch kleine schnitttechnische Modifikationen notwendig sind.

Die Frau von Welt verzieht sich daraufhin in ein stilles Eckchen, kramt gedanklich in ihren Erinnerungen an den schulischen Handarbeitskurs und schneidert sich das Teil kurzerhand passend. Nichts leichter als das. Damenhandtaschen sind bekanntlich unergründlich und bei tiefgehender Beschäftigung mit selbiger lassen sich Nadel, Faden und zuweilen auch eine kleine Nähmaschine zu Tage fördern.
Schwuppdiwupp sind Ärmel verlängert, komplizierte Paillettenmotive apliziert und Knopflöcher versetzt.
Die Beherrschung solcherart Tätigkeiten wurden frau mit der mütterlichen Milch infiltriert; das läuft ganz locker von der Hand. Auch an den unwirtlichsten Plätzen.
 
Nun projizieren wir dieses Bild einmal auf das Komplementärgeschlecht.

Man(n) kauft sich ein neues Beinkleid; Man(n) möchte, nein muß es am gleichen Abend noch ausführen und der holden Weiblichkeit präsentieren.
Widrige Umstände verhindern jedoch den heimischen Boxenstop nach dem Textilkauf. Die Option, eine professionelle Änderungsschneiderei in Anspruch zu nehmen, wird aus Ermangelung an Zeit gar nicht erst näher bewertet.

Die Hose ist also zu lang.


Der kosmopolitisch gebildete Mann und Mensch läßt sich davon jedoch nicht beirren. Vielmehr erlaubt ihm diese vertrackte Situation, aus und über sich hinauszuwachsen. Er offenbart der staunenden und  vor allem weiblichen Öffentlichkeit, was wirklich in ihm steckt.

Auch wir Männer können mit Nähgarn und Stopfpilz umgehen.

Wir zeigen das nur nicht so.


Wir sind doch keine Mädchen.


Wenn es jedoch die weltpolitische Lage erfordert, sind wir selbst unter ungünstigsten Bedingungen fähig und bereit, gestalterische und handwerkliche Höchstleistungen zu vollbringen.

Das tapfere Schneiderlein sitzt dann sogar bei Kerzenschein und näht Hosenbeine um.

Ich war dabei und hab’s gesehen.

Vorigen Donnerstag nach dem Salsakurs.


Sala, unser Tanzlehrer und wie sich herausstellte gelernter Schneider, ging ihm zur Hand.

Also vielmehr ans Bein. Genauso schnell wie er tanzt, kann er auch nähen.

Respekt.


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