Duftbaeumchens Blog

Duschbad in der Menge

Posted by duftbaeumchen - 5. Juli 2006

Im Grunde war alles wie bei einem Eishockeyspiel.

Nur völlig anders.


Vielleicht bin ich ja auch mitschuldig. Als einer, dem Fußball so nahe geht, wie die Wasserstandsmeldung der Orla, hätte ich besser zu Hause bleiben und nicht mit meiner negativen Einstellung die optimistische Grundstimmung vergiften sollen.
Aber um mitreden zu können, muß man auch mal über seinen eigenen Schatten springen und sich in die Fluten stürzen.

Gestern ließ ich mich dazu hinreißen, das "Fan Fest Leipzig" (bewußter Rechtschreibfehler?) zu besuchen.
Neben ein paar Freunden waren nur noch ca. 11997 weitere Gäste anwesend – eine Veranstaltung im kleinen Rahmen also. Mit Kuschelcharakter sozusagen.

Wir – die liebe Frau M., Herr H. (seines Zeichens begnadeter Tänzer und Träger des weißen DFB-FIFA-WM-Trikots) nebst befreundetem Anhang und meine Wenigkeit – trafen uns bereits zwei Stunden vor offiziellem Spielbeginn. Direkt in der Mitte. 04.07.2006, 19.00 Uhr, Leipzig, Augustusplatz.

Kuschelzeit.

Da ich ausrüstungstechnisch gesehen grundsätzlich nicht auf solche Veranstaltungen eingerichtet bin, wurde mir kurzerhand und ganz spontan mittels einer kleinen Deutschlandflagge das passende Outfit verpaßt. Man will ja nicht unnötig auffallen. Sollte sich irgendwie, irgendwo, irgendwann mal wieder eine solche Gelegenheit bieten, werde ich mein auf der Adminkonsole stehendes Schminkköfferchen am Mann führen.
Dicht gedrängt standen wir nun und harrten der Dinge. Das Kulturprogramm auf der Bühne brachte uns die Produkte der Sponsoren näher; Ströme Platzsuchender schlängelten sich mehr oder weniger geschickt durch die Massen. Daß ich das Ergebnis ("Wir fliegen heute sowieso raus.") bereits kannte, teilte ich nur ausgewählten Mitgliedern der Wartegemeinschaft mit. Reiner Selbstschutz.

Dann ging’s los. Endlich.
Nach zwei Stunden des ‚Rumstehens war mir fast schon wie wieder-nach-Hause-gehen. Doch ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ich bin ja ein Mann und kein Weichei.
Das Spiel selbst möchte ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren – ich habe eh keine Ahnung. Auffällig fand ich jedoch, daß die italienischen Mannen wahre medizinische Wunderkinder sein müssen.

Und Mädchen.


Bei jedem und noch so unbedeutendem gegnerischen Körperkontakt gingen sie den Tränen nah zu Boden und wälzten sich vor Schmerzen – um dann wenige Sekunden später leichtfüßig und wundergeheilt zur nächsten Attacke loszustürmen. Entweder die standen unter Drogen oder sie gehören zu einer Rasse, die es vermag, in kürzester Zeit körperliche Gebrechen zu reparieren.
Die um uns herum weilenden kriegsbemalten Bleichgesichter quittierten jede "Schwalbe", wie der Fachmann zu sagen pflegt, mit Buh-Rufen und "Piep-Wörtern". Dabei kam es auch mal vor, daß etwas des reichlich konsumierten Gerstensaftes spontan sein Behältnis verließ und den Weg durch die Massen suchte.

Dummerweise stand ich im Weg.


Früher, als mein Kopfhaar noch üppiger und länger sproß, nutzte ich auch die Kraft des im Bier enthaltenen Hopfens, um es damit zu stärken. Mittlerweile besteht aus Ermangelung ausreichender Sprießlinge zu solchem Handeln keine Veranlassung mehr. Das konnten die Herrschaften hinter mir natürlich nicht wissen und verpassten mir trotzdem vorsorglich ein kleine Dusche. War ja nur gut gemeint.

Aber eigentlich nicht notwendig.


Erste Halbzeit, zweite Halbzeit, verlängerung, Schock, zweiter Schock.

Betroffenheit ringsum. Kurz vor dem Elfmeterschießen zwei Tore im Minutentakt.

Für die anderen.


Deutschland wird nicht Weltmeister.


Hm. Kann passieren. Hätte aber nicht sein müssen.

Sofort schlug die Stimmung um. Aus Euphorie wurde Lethargie. Bloß gut, daß sowieso Schluß war; das Elend hätte ich mir nicht weiter anschauen wollen.

Ein Getränkestandbesetzer am Rand unseres indirekten, über die "Fan-Meile" führenden Heimweges jammerte ebenfalls: "Ich habe extra Sekt und Champagner besorgt…

…Und nun will es keiner haben."


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