Duftbaeumchens Blog

ver-rechnet

Posted by duftbaeumchen - 18. Juni 2006

Als Kind wurde uns wieder und wieder gesagt: Du lernst nicht für die Schule, sondern für das Leben.
Und was hat es gebracht?

Nichts.


Ein Sonntagmorgen wie jeder andere auch. Die Sonne guckt bereits über den Dachfirst, der Himmel ist strahlend blau und verspricht einen warmen Frei-Tag.
DasLutzel wacht gegen sieben auf und beginnt zu denken; versucht im Kopf den Umfang eines Kreises auszurechnen.
Praktischer Hintergrund: Wenn man an einem Fahrrad einen Wegstrecken- und Kilometerzähler anbaut, braucht man das für die Programmierung des Anzeigegerätes.

Black out.


Wie multipliziere ich zwei Dezimalzahlen miteinander? (Manch einer wird nun denken: Na der hat doch ein Rad ab. Sonntags im Bett macht man doch andere Sachen.)

Mit dem Taschenrechner kein Problem. Auch im Kopf bekomme ich das gerade noch so hin.
Aber wie haben wir das früher auf dem Papier ausgeknobelt?
Der dafür zuständige Bereich im Gehirn ist momentan wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet.
Somit greift Grundregel Nummer Eins wissenschaftlicher Arbeit: Man muß nicht alles wissen, sondern nur, wo es geschrieben steht.
Der Mann von Welt hält für diesen speziellen Zweck die

Kleine Enzyklopädie Mathematik
Ein Ratgeber für Schule und Praxis,
zum Selbststudium besonders geeignet (1)


vorrätig. Ein Standardwerk der Weltliteratur, das in keinem Haushalt fehlen sollte. 820 Seiten geballtes Wissen.

Und gugge da, auf Seite 23 ff. finde ich des Rätsels Lösung.

Alles ganz einfach. Dem Distributivgesetz sei Dank.

Als ich interessehalber weiterblättere, wird mir jedoch gleich wieder anders. Sinussatz, Logarithmen und Matrizen; Kurvendiskussionen und Integralrechnung.

Das braucht der Mensch zum Brötchenschmieren.


Über meine Diplomarbeit will ich gar nicht weiter nachdenken.

"Numerische Lösung von Differentialgleichungen
zweiter Ordnung nach Runge-Kutta-Nyström
"


Vor siebzehn Jahren.
Berechnet mit einem KC85/3 und mit dem PC1715 ohne Grafikausgabe; einem "Computer" mit 2,5 MHz Taktfrequenz, 64 kB Arbeitsspeicher und zwei 5,25"-Diskettenlaufwerken zur Datenspeicherung. Nix mit "Mausklick auf bunte Bilder", da war noch textbasierte Handarbeit gefragt. Da wurden die Bits noch direkt auf der Leiterbahn gezeugt.

Das waren noch Zeiten…


P.S. Die Disketten besitze ich immer. Ich werde zwar nie wieder auf die Daten zugreifen können, aber ich habe damals 20 Mark pro Stück bezahlt. Das schmeißt man doch nicht einfach weg.

(1) VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 13., unveränderte Auflage, 1986

Werbeanzeigen

2 Antworten to “ver-rechnet”

  1. Андреас said

    Die Dinger sehn aus wie Westdisketten.

  2. . said

    Das sind Westdisketten.Zu DDR-Zeiten gabe es die im A&V zu 20,00 Mark/ Stück. Die wurden von den "Reisekadern" eingeführt, von staatlicher Stelle auf Privatbasis angekauft und dann dem Volke zur Verfügung gestellt.Und nun hab ich sie. So einfach war das.Früher.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: