Duftbaeumchens Blog

Schwarzlichter

Posted by duftbaeumchen - 3. April 2006

Am Samstag habe ich für mich entschieden: Mit Blindheit beschlagen zu sein, ist ganz schön doof. Auch wenn sie nur eine Stunde dauert.

Trotzdem war es eine lehrreiche Erfahrung.


"Dialog im Dunkeln" nennt sich die Geschichte. Wem sich die Gelegenheit bietet, diese Veranstaltung zu besuchen, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Nur sollte man nicht platzängstlich und berührungsscheu sein.

Benny war unser Guide. Benny ist blind.

Und wir wurden es auch.


Für knapp sechzig Minuten.


Nur mit einem Blindenstock "bewaffnet" tasteten wir uns durch die totale Finsternis. Und totale Finsternis heißt hier wirklich total. Selbst mit einen  restlichtverstärkenden Nachtsichtgerät war hier nichts anzufangen. Es gab kein Restlicht. Nichts für Klaustrophobiker.

Im Wald zwitscherten die Vögel, der Bach gurgelte leise vor sich hin. Mit richtigem nassen Wasser, wie Sabine feststellen durfte. Der Schnabel der auf weichem Waldboden verweilenden Holzskulptur, welche ich betastete, entpuppte sich als sein Schwanz. Sagte zumindest Benny; erkannt habe ich das nicht. Er wiederum wußte genau, daß ich mich gerade hockend am unteren Teil des Vogels zu schaffen machte: "Wo du fühlst, ist ein Baumstamm. Der gehört nicht mehr dazu." Na bloß gut, daß mich keiner gesehen hat. Es hätte ja auch ein Mensch oder gar eine Menschin sein können.
Im Zoo und in der Stadt war es nicht viel heller. Da standen Briefkästen, Fahrräder, Autos und Ampeln ‚rum. In der Telefonzelle befühlte ich gemeinsam mit Schnuckeline das Interieur (schön kuschelig); auf dem Markt gab’s Obst und Gemüse. Die meisten Dinge erkannte ich, weil ich deren Gestalt bereits bei Licht beäugen konnte.

Der Griff durch die Gitterstäbe in den Löwenkäfig offenbarte ein weiches Fell. Kurzzeitig, denn ich zuckte zurück. Seltsam, wenn man nicht sieht, was sich bewegt und was es tut. Ein simpler Trick mit großer Wirkung.

Trotz gleicher Lautstärke wie draußen in der "normalen" Welt, erschienen die Geräusche intensiver. Besonders in der "Unsicht-Bar" fiel es schon schwerer, sich auf Bedienung und Angebot zu konzentrieren. Mal schnell in die Karte gucken ist da nicht. Von Bier über verschiedene Säfte und Schnäpse bis zum Wasser war die Auswahl groß.
Die mündlich vorgetragene Liste ist lang. Und jedes Getränk hat seinen spezifischen Preis. Trotzdem klappten Bestellung, Bezahlung und Lieferung problemlos. Auch der unsichere Gang bis zum Tisch, zu dem wir von der Ferne durch Benny gelotst werden, verläuft ohne Trunk-Verlust. Rundum Stimmen und Geräusche von uns und aus Lautsprechern – Unheimlich und verwirrend.
Nach weiteren zehn Minuten echtem "Dialog im Dunkeln" mit Benny war’s dann auch schon vorbei. Die nächste Gruppe stolperte bereits durch die Nacht.

Eine Stunde kann manchmal ganz schön schnell vergehen.

Respekt denen, die sich ohne oder mit nur eingeschränkter Sehkraft durch die Welt bewegen müssen.

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5 Antworten to “Schwarzlichter”

  1. Андреас said

    diesen eintrag lese ich erst morgen. habnichsovielzeit.
    deshalb kriegste hierzu heute keinen kommentar

  2. . said

    traurigguck

  3. Андреас said

    war gestern ein doofer spruch. passt nicht zum eintrag. lösch ihn raus!

  4. Danica said

    lutz, wollen wir bunsi in "der kommentor" umbenennen? *gg*

  5. . said

    "Kommentarist" gefällt mir besser.

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