Duftbaeumchens Blog

Witschaftswunder

Posted by duftbaeumchen - 9. Januar 2006

Das Einkaufszentrum am Rande der Stadt lud zum Bad in der Menge.

Ich hatte mein Ziel fast erreicht, da scherte ein Personenkraftwagen der gehobenen Preisklasse vor mir ein.

Das Kennzeichen ließ nichts Gutes ahnen.


Auch wenn ihr mich steinigt, teert und federt – mich gruselt, wenn Mitglieder bestimmter Volksstämme ihre beräderten Blechkisten durch das Land bugsieren.

Hallenser gehören dazu.


Dummerweise wollten auch diese beiden Zeitgenossen ihrem Gefährt eine Ruhepause gönnen und befuhren direkt vor mir das Parkhaus. Zwei Verkehrsregler leiteten mit blinkenden Leuchtstäbchen die Autos in Richtung obere Parkdecks. Es bestand also kein Grund, durch Langsamfahrt den nachfolgen Verkehr zu behindern.

Und langsam ist stark übertrieben.


In diesem Geschwindigkeitsbereich vermag mein Tacho noch keine verlässlichen Angaben zu machen.
Die Verkehrsführung erlaubte es mir leider nicht, Alternativen oder gar Abkürzungen zu nehmen. Bis in die zweite Etage mußte ich hinterher. Der Weg ist seeehr lang. Links ‚rum, rechts ‚rum, anhalten, weiterfahren. Dutzende Fahrzeuge haben bereits ein gemütliches Plätzchen gefunden. Ich jedoch schlich notgedrungen durch die Gänge und folgte meinem Vorfahrer. Die Schlange hinter mir ebenfalls. Wahrscheinlich hatte unser Leittier noch nie ein Parkhaus von innen gesehen und vergaß vor Staunen, Ehrfurcht und Aufregung, den Fahrfußhebel zu betätigen.

***

Geschafft.

Hunderte Menschen versammelten sich in diesem Tempel der Schau- und Kauflust. Endlich konnte ich in der Masse untertauchen.

Bis kurz hinter die Eingangstür.


Stochastischen Gesetzen folgend – je größer eine Ansammlung von Menschen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, ein bekanntes Gesicht zu entdecken -, stach mir Frau Sushi ins Auge. Also mehr sinnbildlich. Und die liebste Nachbarin Frau Frülln gleich vorneweg.

Zwei Frauen beim Shopping.

Ich kam gerade richtig, denn trotz großer Lagepläne fanden die beiden einen bestimmten Laden nicht. Weiblichkeit und Orientierung im Gelände passen nun mal nicht zusammen. Davon abgesehen, daß besagtes Geschäft im Rahmen umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen bereits dem Abrißbagger zum Opfer gefallen war, verdeutlichte mir der gemeinsame Blick auf die "Shoppingcentrelandkarte": Ich würde mich von beiden nicht nach Plan durch unbekanntes Terrain lotsen lassen.

How auch ever.


Unsere Wege trennten sich vorerst, nicht ohne eine Verabredung beim Pizzamann zu verabreden. Später.

***

Umzingelt von Mr. Clou, Bratwurst-Karl, Döner-Biz und einem Dutzend weiterer Anbieter lukullischer Köstlichkeiten ließen wir uns zum reichhaltigen Mahle nieder – zwei Stück Pizza und eine Cola.
Nicht nur die riesigen, Miss Sushi durch ihren spontanen Farbwechsel irritierenden Lichtsäulen verbreiteten eine heimelige Atmosphäre, auch die zur Beobachtung zahlreich angereisten Besucher luden eigentlich zum längeren Verweilen ein.

Doch wir hatten nicht zum Spaß den weiten Weg auf uns genommen. Sinn unseres Hierseins war es ja, der deutschen Wirtschaft unter die Arme zu greifen.
Frülln hatte dies bereits getan und ihre direkt mit dem Boden in Kontakt stehenden Extremitäten mit wagemutig dem Fußbekleidungsverkaufspersonal entrissenen (und bezahlten) neuen grünen Schühchen umhüllt.

Schick sehen sie ja aus. Aber warum wollen Frauen von Männern immer wissen, ob sie gut angezogen sind?
In solchen Extremsituationen neige ich dazu, laut über Sinn bzw. Unsinn solcher Fragen nachzudenken.
Ein Fehler, wie mir im Nachhinein immer wieder klar wird. Ein einfaches "Ja, das gefällt mir. Du siehst gut aus." würde den Disput für beide Seiten befriedigend und schnell beenden. Ich aber diskutiere erst, ob solche Fragen überhaupt beantwortbar sind. Soll doch jeder anziehen, was er denkt.

Egal, ich verzettle mich nur.


Wir beschlossen unsere Zusammenkunft mit der obligatorischen Zigarette danach und gingen im Guten auseinander. Die Mädels zum Möbelhändler mit den vier gelben Buchstaben und ich meines Weges.
Leider konnte (und wollte) ich nicht zur weiteren Erstarkung unseres Einzelhandels beitragen. Einerseits waren bestimmte Kleidungsstücke nicht in meiner Größe vorrätig, andererseits schreckten mich zwei Neunen vor dem Komma vom Kauf eines Paares Schuhes ab.

Man(n) kann eben nicht alles haben.


Zum Abschluß des Nachmittags zog es mich schließlich ebenfalls zum gelb-blauen Einrichtungshaus. Ideen sammeln.
Und – die Wahrscheinlichkeitstheorie mal so richtig ausreizend – um Marco nebst "Frau" zu treffen. So nebenbei wurde ich darauf hingewiesen, nachträglich zu erwähnen, daß auch er nicht unwesentlich zum Erfolg unserer letzten Zusammenkunft beigetragen hat. Neben der von mir besonders hervorgehobenen Frau Frülln möchte ich ihn also an dieser Stelle ebenfalls ins Rampenlicht rücken.

Marco hat die zwei Dosen Pizzabelegungsbohnen geöffnet.


Doch dies nur nebenbei.


Die beiden hatten bereits zugeschlagen. Eine Kuscheldecke und zwei Packungen Kerzen sollten es sein.

An einem Samstagnachmittag.


Im Kassenbereich entschlossen sich beide spontan, die bis dahin liebevoll mitgeführten Wohn-Accessoirs ihrem alleinigen Schicksal zu überlassen und ohne halbstündige Wartezeit sofort zum Stand der heißen Hunde vorzudringen. Dort überlegte ich kurz, ob ich mir Zwiebeln und Gurke für’s Abendessen einpacke – verwarf dann aber den Gedanken. Aber die Idee finde ich trotzdem gut. Für das nächste Mal.

Kostet ja nix.


Ach ja. Wenn also jemand bei IKEA in Günterdorf zwei einsame, in eine Wolldecke eingepackte Duftkerzenpackungen findet, so nehme er sich ihrer an.

Sie werden es mit Wohlgeruch und Wärme danken.


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2 Antworten to “Witschaftswunder”

  1. Андреас said

    …ach du warst das, hinter mir!

  2. . said

    Ja, einer von den zweitausendachthundertsiebenundzwanzig anderen IKEAnern.

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