Duftbaeumchens Blog

ausgetrunken

Posted by duftbaeumchen - 19. Dezember 2005

Die illustre Sonntagsweihnachtsmarktfeuerzangenbowlentrinkgesellschaft traf sich zu ihrer letzten Therapiesitzung in diesem Jahr. Trotz Schneegestöber und anderer widriger Wetterbedingungen.

Was muß, das muß.

Klar, ich hätte auch im warmen Stübchen bei einem lecker Weinchen sitzen können. Doch wäre dies kein gleichwertiger Ersatz zu klebrig-alkoholischem Heißgetränk, kalten Füßen und nassem Schnee auf Kopf und Schulter gewesen.

 

Ich treffe mich mit Frülln vor dem Haus und wir stiefeln durch die verschneite Nacht in Richtung Haltestelle. Kalter Wind bläst uns die nassen Flocken ins Gesicht.

"Oh, Sche***, hab‘ ich die Kerze ausgemacht? Kann da was passieren? Schaffen wir das noch?"

Meine Antwort nicht abwartend dreht Madame um und rennt zurück zur Wohnung. Die Kerze war natürlich aus.

Aber: Wäre sie nicht nachschauen gegangen, hätten wir bestimmt nach Rückkehr ein Stelldichein mit der Feuerwehr gehabt und der versicherungstechnisch versierte Papa hätte ihr die Ohren langgezogen.

Egal, was und wie man es macht – es ist verkehrt.

Naja, hau auch ever (wie der Engländer zu sagen pflegt). Winterluft hält frisch und die Bahn erreichten wir trotzdem problemlos.

Sie war wie immer gut geheizt. Offensichtlich gibt es eine innerverkehrsbetriebliche Anweisung, die Fahrgastzellentemperatur auf mindestens 25°C einzupegeln – die Aggregate liefen auf Hochtouren.

Wir überstehen die Fahrt trotzdem und kühlen uns auf dem Weg zum Ausschank ab.

Dort gestaltete sich die Menschfindungsphase etwas schwieriger als sonst – wegen der Vermummung. Mit Mütze, Kapuze und bis zur Nase gewickeltem Schal ist der eine oder andere eben nicht so einfach in der Masse zu erspähen. Vorteilhaft erwies sich diesbzeüglich der Umstand, daß wegen der Wetterunbilden nicht ganz so viele Leute den Weg zur Tränke gesucht und gefunden hatten.

Wir fanden uns trotzdem.

 

Unter anderem nahmen folgende, nicht namentlich genannt sein wollende Personen an dieser Jahresabschlußveranstaltung der anonymen Alkoholiker teil (die Reihenfolge stellt keine Wertigkeit dar): Frülln, Sushi, Manja und Marco W., Konsi, Stephanie und nicht zu vergessen Dings – die gar liebreizende Zappel-Ilka. Letztere hielt auf Grund wiederholter oraler Bowlenzufuhr die Füße relativ still – Alkohol betäubt die Kältenerven.

Der weitere Fortgang der Veranstaltung unterschied sich nicht wesentlich von den vorhergehenden und bestand vorwiegend aus Dummes-Zeug-quatschen, trinken, aufmerksam den Weihnachtsbläsern lauschen und noch mehr Blödsinn erzählen.

Kleine weiße Hügel bildeten sich auf Schultern und Tischen, was Manja dazu veranlasste, ihren kindlichen Neigungen nachzugehen und die anderen mit selbstgebastelten Schneekugeln zu bewerfen. Kinder soll man spielen lassen, dann schlafen sie besser.

Schwupps – halb neun. Die Reihen hatten sich bereits etwas gelichtet – Zeit für den Heimweg.

Ich schließe mich Fräulein I. an und wir bewegen uns gemeinsam zum fünfhundert Meter entfernten Bahnhof. Meine Tram müßte ich theoretisch problemlos schaffen. Theoretisch.

Sie fährt mir natürlich fast direkt vor der Nase weg. Circa dreißig Meter Luftlinie.

Warte ich nun in der Kälte? Gehe ich zurück?

Nun hätte ich ja genügend Zeit gehabt, als Gentleman Mademoiselle zur S-Bahn zu bringen. Aber irgendwie war ich wohl zu verwirrt ob der verpassten Mitfahrgelegenheit.

 

Ich hab’s vergeigt.

 

Ich laufe zurück zu den anderen. Für effektiv fünf Minuten Aufenthalt. Man schickt sich an, die Runde aufzulösen. Ein Blick zur Uhr – wenn ich jetzt losgehe, erreiche ich sie noch.

Ich verabschiede mich hurtig ein zweites Mal von den Restgästen und lenke zielgerichtet meine Schritte Richtung Haltepunkt.

 

Die Bahn fährt an mir vorrüber.

 

Überpünktlich.

 

Das hätte ich bei dem Wetter nicht erwartet. Nicht mal auf den Winter kann man sich verlassen.

Na dann kann ich auch zur nächsten Haltestelle laufen. Glücklicherweise führt mich der Weg an einem mit Busch- und Baumwerk bepflanzten Grünbereich vorbei. Kein Mensch weit und breit zu sehen – ich verschwinde im Gestrüpp. Nachdem ich mich untenrum etwas freier gemacht habe (bei drei Hosen gar nicht so einfach), "zeichne" ich mein Signum in den Schnee. Männer sind nun mal so. Bestimmt hätte ich es problemlos bis nach Hause geschafft, allerdings reist es sich mit entleerter Blase wesentlich entspannter.

Und dieser Gedanke war sehr weise…

 

… die nächste Bahn hatte natürlich zehn Minuten Verspätung.

 

Zehn Minuten können manchmal ganz schön lang sein.

Werbeanzeigen

Eine Antwort to “ausgetrunken”

  1. Андреас said

    ich habs gelesen und ich finde den eintrag schön.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: