Duftbaeumchens Blog

Vorglühen

Posted by duftbaeumchen - 28. November 2005

Es geht wieder los; das Weihnachtsfest wirft seine Schatten voraus. Und die Lichter gleich hinterher. Wo man auch hinschaut, Fenster sind mit allerlei illuminierten Schwibbögen, Engeln und anderem Getier bevölkert. Die befohlene Glückseeligkeit hält Einzug.
Ohne mich. Bei mir zu Hause blinkert kein Stern nervös an der Fensterscheibe, es duftet nicht nach frisch gebackenen Plätzchen und der Christbaum hat auch keine Chance seine Nadeln aufs Parkett zu streuen. Es gibt nämlich keinen. Ich kann nun mal dem Weihnachtsfest nichts positives abgewinnen.
 
Wenn man von Dominosteinen und Feuerzangenbowle mal absieht.
 
Und damit sind wir auch schon beim Thema.
Seit ein paar Jahren ist es zur Tradition geworden, daß sich ein gar lustig Trüppchen an den Adventsonntagen um 18.00 Uhr Ortszeit auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt trifft und sich dem Konsum von alkoholischen Heißgetränken hingibt. An diesen vier Sonntagen trifft man mal wieder Leute, die einem sonst das ganze Jahr nicht unter die Augen getreten haben. Da ich hier keine Namen nennen darf. verrate ich nicht, daß neben Frülln, Manja, Konsi, Sören, Marco, Ilka und Frau Sushi noch hunderte andere anwesend waren.

Vom Markttreiben an sich bekomme ich nur sehr wenig mit. Nicht, weil ich mir das Rübchen zuschütte und methylisch "durch die Kante schieße". Vielmehr ist es schlichtes Desinteresse an Baumschmuck und Vanillewaffeln. Mein Weg vom öffentlichen Nahverkehrsmittel zur Tränke verläuft zielgerichtet von A nach B. Optimieren könnte man selbigen nur, wenn die vor dem Feuerzangenbowlenstand befindliche Menschenmenge bei meiner Ankunft kurzerhand ein Spalier bilden würde und ich ohne Drängelei sofort zur Getränkeausgabe vorstoßen könnte.
Naja, man kann nun mal nicht alles haben.
Mir scheint, halb Leipzig wartet nur auf die Adventszeit und versammelt sich dann genau am Sonntagabend auf dem Nikolaikirchhof. Andererseits ist es so schön kuschelig. Gestern hat sich nämlich wieder einmal gezeigt, daß es doch frischlicher wird, wenn sich gegen zwanzig Uhr die Reihen langsam lichten und der kalte Winterwind ungehindert um die teilweise unbemützten Köpfe wedeln kann.
Wir müssen also der einsetzenden Kälte des urplötzlich eingebrochenen Winters (war ja auch nicht vorauszusehen) innere Hitze entgegensetzen. Das klappt bei einigen ganz gut, andere hingegen müssen da wohl noch etwas üben. Ilka zum Beispiel zappelte permanent von einem Bein aufs andere.
Und warum? Genau, sie fror untenrum. Also ganz unten, in Bodennähe. Da, wo die Schuhsohlen direkten Kontakt zum Straßenpflaster haben. Von einem Kinderpunsch oder Tee oder was auch immer das war kann ja auch keine innere Wärme aufkommen. So ist das eben, wenn frau mit dem Kraftfahrzeug unterwegs ist. Unsereiner hat sich an klebrigen Tonbechern festgehalten, die kaum zu halten waren, weil sie so heiß waren. Madame I. hingegen steigt nervös von einem Bein auf’s andere (und wieder zurück) und macht einen ganz wuschig damit. Offensichtlich hat meine Nähe nicht gereicht.

Der Genuß der gemeinen Feuerzangenbowle an sich scheint mir auch nicht für jeden geeignet zu sein. Manja W. zum Beispiel ist so ein Fall. Sie hat es allerdings auch etwas schwerer als die anderen, was wohl an ihrer geringen Körpergröße liegen muß und somit logische Gründe hat.
Folgenden Denkansatz lege ich da zugrunde: Man stelle zwei Menschen gleicher Statur aber unterschiedlicher Körperhöhe nebeneinander und gieße in beide die gleiche Menge flüssiges Zucker-Wasser-Alkohol-Gemisch. Und siehe da, bei dem kleineren Erdenkind erreicht der Bowlenpegel eher den Kopf als bei dem größeren. Und die Auswirkungen habe ich gespürt. Sie hat mir zwei kleine Haarhörnchen gezwirbelt und fand das sogar lustig. Da ich mich selbst nicht anschauen konnte, kann ich mir kein Urteil erlauben, ob das eventuell ein neuer Modetrend für’s nächste Jahr wird. Vorsichtshalber stellte ich jedoch vor der Heimreise den ursprünglichen Zustand wieder her.
Auf der Rückfahrt selber passierte nichts bemerkenswertes. Die beiden älteren Damen, die auf dem Hinweg verzweifelt und aufgeregt versuchten, an einem unplanmäßigen Halt – eine Ampel verwehrte uns die Weiterfahrt – eine Tür zu öffnen um auszusteigen, lagen sicher schon im Bett. Somit war es ruhig in der Bahn und ich fühlte mich wieder wie in Madrid.
 
Zu Hause gab’s dann erst mal was richtiges zu Essen.
 
Und ein Glas Rotwein.
 
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