Duftbaeumchens Blog

Kindergeburtstag

Posted by duftbaeumchen - 20. November 2005

Jens, mein vielleicht-irgendwann-mal-Schwager (Schwester K. und er hatten im Sommer 10-jähriges Verlobungsjubiläum) und Kind seiner Eltern lud ein. Die üblichen Verdächtigen erschienen wie jedes Jahr vollzählig. Und wie jedes Jahr hatte ich eigentlich keine Lust auf genau diese Konstellation der anwesenden Personen. Vielleicht liegt es daran, daß sich der Altersdurchschnitt und damit die Gesprächsthemen jenseits der 60 bewegen.
Da ich aber kein Spielverderber sein wollte, ging ich trotzdem mit. Wie die Jahre davor auch.

Die Veranstaltung läuft immer ähnlich ab. Nach der ziemlich zeitgleichen Ankunft der Gäste – verbunden mit kollektivem Drängeln im Flur beim Ablegen der Garderobe und des Schuhwerks (bei uns älteren geht das nun mal nicht mehr so schnell) gibt’s erst mal Kaffee (Tee für die Extrawürste) und Kuchen.

Währenddessen kommt die Konversation in Gang.
Zuerst das Wetter, lange Unterhosen und ab wann selbige zu tragen sind.

Mein Vater dazu: "Ich habe meine auch schon 14 Tage an."

Gerochen haben wir noch nichts.

Anschließend behandelten die Herrschaften (ich halte mich da meistens ‚raus) lautstark  folgende Themen: Hundehaufen, Jugendliche in der Straßenbahn im Wandel der Zeiten, Rentnerausweise, unser (in Scheidung lebender) Bürgermeister mit seiner (Noch-)Frau in der Leipziger Oper, Einkaufen (im Allgemeinen und Besonderen), kulinarische Zubereitung von Innereien, Kleintierhaltung und nochmal Einkaufen.

Ruck-zuck sind zwei Stunden ‚rum, unterbrochen durch die kulturelle Darbietung einer Laienspielgruppe anläßlich eines Kindergeburtstages im Nebenhaus. Open Air; im Hinterhof. Wenige Grade über Null. Dies hätte sicher niemanden von uns interessiert, wenn nicht mein Neffe am grandiosen Erfolg dieser Welturaufführung beteiligt gewesen wäre. Zwar nur unwesentlich aber immerhin beteiligt. Worum es eigentlich ging habe ich allerdings nicht verstanden. Die Jungjugend denkt eben heutzutage anders, ich muß das nicht mehr alles erfassen. Er zog es anschließend auch vor, vorerst bei den jungen Damen der Geburtstagsgesellschaft zu verweilen und uns nicht mit seiner Anwesenheit zu belustigen.

Das folgende Abendessen nahm ich ausnahmsweise mal in gebückter Haltung ein. Gemeinsam mit meinem Vater und dem mittlerweile eingetroffenen Junior des Hauses am "Kindertisch".
Salzfleisch mit Sauerkraut und Brot. Prinzipiell sehr lecker. Wenn allerdings der Magen durch die gebeugte Haltung in seinem Bewegungs- und Dehnungsspielraum eingeschränkt wird, macht sich seine Befüllung recht schnell bemerkbar.

Mir war schlecht.

Dagegen soll bekanntlich ein Schnaps helfen. Ich weiß, daß dies eigentlich Unsinn ist, aber althergebrachten Traditionen wollte ich mich nun auch nicht verschließen.

Das Allheilmittel: Karlsbader Becherbitter – bekannt aus Funk und Fernsehen und von unseren CSSR-Reisen zu DDR-Zeiten. Damit verzieht sich sofort jeglicher Fettfilm auf den Magenwänden. Und auch der Mund meines 11-jährigen Neffen nach Benetzung seiner Lippen mit dem edlen Gesöff.

Iiiiih, eklig.

Selbst schuld, warum muß er auch überall seine Zunge reinstecken.
Daß die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen ebenfalls nicht von Wohlgeschmack kündeten, erwähne ich nur am Rande. Wir haben die Gläser trotzdem nochmals füllen lassen. Das Prinzip solcher "Verdauungsmedizin" liegt ja auch weniger in der Reaktion der Flüssigkeit mit dem Mageninhalt, sondern eher in der Ablenkung vom Völlegefühl durch den abartigen Geschmack.

Es hat funktioniert.

Kaum kam die Verdauung richtig in Gang fragte Opa Bernd seine Angetraute: "Wann gehen wir zum Schlachtfest?"

Er hatte bereits wieder Appetit.

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