Duftbaeumchens Blog

abgefahren

Posted by duftbaeumchen - 16. November 2005

Gestern Abend stand ich vor der Wahl, mit der Tram oder mit dem Auto zum Salsa in die Innenstadt zu fahren. Da es kalt und regnerisch war, entschied ich mich für die öffentlichen Verkehrsmittel.

Eine weise Wahl.

Zweihundert Meter Fußweg bis zur Haltestelle, 10 Stationen entspannt chauffiert werden und dann nochmals 300 Meter bis zur Tanzschule – ist nicht so schlimm. Frische Luft schadet ja nicht; funktionierte die letzten Wochen ganz prima.
Kurz vor Abfahrt verlasse ich das Haus, es nieselt leicht vor sich hin. Den Regenschirm führe ich zwar am Mann, aber da es kein Nieselschirm ist, bleibt er erst mal unbenutzt. Die zwei Minuten geht’s auch ohne.

Doch die Bahn kommt nicht. Die Himmelstränen fallen mal stärker, mal schwächer. Ich bleibe hart – jeden Moment muß mein Transportmittel eintreffen. Meiner Kurzhaarfrisur können die paar Spritzer nichts anhaben.
Endlich.
Nach geschätzten 15 Minuten des Wartens kommt was. Ein Ersatzbus. Naja, egal. Hat auch ein Dach und fährt.
Bis zur nächsten Ampel. Der Fahrer nimmt Kontakt zur Leitstelle (früher Dispatcher genannt) auf. Da ich ziemlich weit vorne stehe (in der Bahn habe ich sonst immer einen Sitzplatz), kann ich das Gespräch genau verfolgen.
"Ich habe ein Problem. Die Ladekontrolle und die Öldruckanzeige leuchten, ich glaube, die Lichtmaschine ist im Eimer. Habt ihr am Straßenbahnhof einen Ersatz stehen? Ich fahre erst mal weiter, weiß aber nicht, wie weit ich noch komme."

Spricht’s und biegt ab.

Ich muß leicht lächeln.


Umleitungsbedingt verlassen wir die normale Route und entfernen uns von der urbanen Zivilsation. Laut Murphyschem Gesetz der maximalen Schweinerei bzw. wenn etwas schiefgehen kann, dann geht das auch schief, müßte eigentlich an der dem nächsten Haltepunkt entferntesten Stelle die Karre ganz kaputt gehen.

Macht sie aber nicht.

Noch nicht.

Wir schaffen noch ein paar Stationen. Dann ist Schluß (Murphy hat Recht). Der Bus bewegt sich nicht mehr. Ein Raunen geht durch das Fahrzeug, die Massen strömen den Ausgängen entgegen.
Da ich Hoffnung habe, daß der Verkehrsbetriebler das Gefährt doch noch einmal zum Leben erwecken kann, tue ich es dem Bus gleich und rühre mich vorerst nicht von der Stelle. Vergebens. Nach zwei Minuten verlasse ich als letzter die schützende Behausung. Als ich mich umdrehe, erblicke ich einen Aufkleber an der Scheibe.

"Freu Dich, Du bist in Madrid"

Na bloß gut, in Leipzig wäre ich jetzt stinkig.

Welchen konkreten Sinn dieser Spruch hat, konnte ich bisher nicht ergründen. Er ist mir bereits des öfteren beim Tramfahren aufgefallen. Es gibt jedoch keine näheren Erläuterungen dazu.
Ich mache mich also auf den Weg zur nächsten Haltestelle. Glücklicherweise vereinigen sich an selbiger zwei Strecken und ich habe die Hoffnung, eine "Anschlußbahn" zu erwischen.

Das hätte auch geklappt.

Wenn ich nicht im Bus gewartet hätte.

Die Tram und ich – wir verpassen uns knapp.

Das bringt mir zusätzlich 10 Minuten Wartezeit in der Kälte. Das Nieseln hat aufgehört.

Es regnet nun richtig.

Endlich kommt eine Bahn. Mal sehen, was jetzt noch geschieht.

Doch oh Graus, nichts weltbewegendes.

Abgesehen davon, daß es warm wie in einer Sauna ist (wahrscheinlich haben die gerade die Maximalwärmeleistung des Heizaggregats getestet), gestaltet sich der Rest des Weges unspektakulär.

Seltsam, da hatte ich mehr erwartet.

Und schwupps bin ich im Fuego Latino. Mit einer halben Stunde Verspätung.

Trotzdem pünktlich.

Ein pfiffiger Großstadtindianer wie ich fährt
schon 30 Minuten vor der Zeit los.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: