Duftbaeumchens Blog

Amtshandlung

Posted by duftbaeumchen - 30. August 2005

Erstmalig
in meinem Leben besuchte ich heute eine Kfz-Zulassungstelle. Nicht nur
zum gucken – nein, ein ernsthaftes Anliegen lag mir am Herzen.

Ich sollte ein Fahrzeug abmelden.

Warum, wieso, weshalb spielt hier keine Rolle – nur soviel: des Nachts
haben sich pfiffige Spitzbuben gedacht: "Ooch, das sieht aber schön aus
und fährt besimmt auch ganz ordentlich, das nehmen wir doch gleich mal
mit."
Gedacht, getan. Das Auto und noch andere Hausratgegenstände eines
Bekannten befinden sich nun auf einer Reise nach Unbekannt.
Sommerferien eben.
Wie dem auch sei, ich hatte zumindest den Auftrag, o.g. Kfz auch
offiziellund amtlich aus dem städtischen Nah- und Fernverkehr zu entfernen.
Mit einer Vollmacht ausgestattet betrat ich die heiligen Amtshallen.

Was macht man zuerst?
Genau, die Raum- und Zuständigkeitsstellenverteilungstafel aufmerksam studieren.
Wie ich das gewohnt bin von oben nach unten.

Unten angekommen lese ich:
"Bitte beachten Sie: Zuerst am Informationsschalter melden und sich eine Wartenummer zuteilen lassen"

Mach ich doch glatt.

Ich betrete die Bühne. Und das im wahren Sinne des Wortes.
Man stelle sich das so vor: ein saalähnlicher Raum. Auf einer Seite
eine Tür, auf der anderen ein Tresen mit einer Menschin dahinter.
Dazwischen ca. 15 Meter (es können auch zwanzig sein) Weg, gesäumt von
mehreren hintereinander angeordneten Stuhlreihen. Bis auf den
vorletzten Platz besetzt mit Zuschauern.

Zwei große Anzeigetafeln beobachtend, welche an der vierten Raumseite
angebracht sind. Bei der Menschin trägt man sein Anliegen vor, wird
daraufhin in eine Gruppe einsortiert, erhält eine Wartenummer und kann
sich dann erst mal ausruhen. Sofern ein Stühlchen frei ist.

Oder man ist was besonderes.
Als VIP darf man sofort seinen persönlichen Sachbearbeiter aufsuchen. Ich bin VIP.
Schon wieder.
Eigentlich schade. Ich hätte gern dem großen Auditorium ein paar
Minuten beigewohnt und den den Raum betretenden und verlassenden
Laienschauspielern meine Achtung gezollt.
Andererseits habe ich aber anderes zu tun, als den Nachmittag auf einem
Amt zu verbringen. Hier ist es zwar aufgeräumt und ordentlich (ist ja
auch das Ordnungsamt); eine ansprechende, gemütliche Atmosphäre fehlt
jedoch.

Ich begebe mich also sofort in die erste Etage. Schalter 18.
Ein Bürger wird momentan abgefertigt, ich bin dann der nächste. "Na das geht
ja schnell, da bin ich ja in ein paar Minuten wieder raus.", denke ich
so und werde aufgerufen.
Mein Anliegen ist flux vorgetragen, Frau S. (Name dem Verfasser
bekannt) guckt allerdings etwas grimmig. Sie tippselt auf ihrer
Computertastatur ‚rum und resigniert, weil sie nicht weiterkommt. Sie
murmelt etwas von Vorgang und Sperre, schaut sich ratsuchend um und
holt schließlich doch eine Kollegin. Gemeinsam geht’s aber auch nicht
richtig vorwärts.
Für diese Konstellation gibt es nun für mich zwei Erklärungen: Entweder
beide Amtsangestellten haben keine Ahnung (wovon ich nicht ausgehe)
oder in Deutschland werden zu wenig Kraftfahrzeuge gestohlen und die in
solchen Fällen übliche Vorgangsweise ist nicht so geläufig.
"Da mußt du mal Frau … fragen, die hat das schon mal gemacht."

Frau S. bedeutet mir, mich einen Moment zu gedulden. Mit Optimismus im
Herzen lehne ich mich zurück und schaue ihr nach, als sie ihren Platz
verläßt. Frau … sitzt nur einige Meter entfernt, allerdings im
Fachgespräch mit einer weiteren Kollegin.
Minuten vergehen. In einem Amt wird nicht gedrängelt, auch die
Bediensteten stellen sich hier an und warten – nur ohne Nummer. Schon
nach knapp zehn Minuten kann "meine" Schalterfrau ihr Anliegen
vorbringen.

Ich möge mich bitte noch etwas gedulden. Beide begeben sich an einen
anderen Arbeitsplatz. Man tuschelt, zeigt mit den Fingern auf
Eingabefelder auf dem Monitor. Nun wird sogar noch telefoniert. Die
Zeit rinnt dahin.
Doch dann geht es vorwärts. Offensichtlich ist das Rätsel geknackt.
Frau S. kommt wieder zu ihrem Platz, gibt Daten ein und reicht mir eine
Chipkarte.
"Damit gehen sie jetzt ins Erdgeschoß und bezahlen am Kassenautomaten. Danach kommen sie wieder zu mir."
Gesagt, getan.

Am Automaten bin ich der einzige. Ich schiebe die Karte ein und er
zwitschert mich an. Es klingt wie in alten Science-Fiction-Filmen.
Mehrere Pieptöne in unterschiedlichen Tonhöhen bestätigen jeden
Bedienvorgang von mir und versüßen auf lustige Weise die ohnehin recht
kurze Wartezeit.
Klimper-klimper, das Wechselgeld landet auf den Cent genau im Ausgabefach, gefolgt von zwei Quittungen.
Ich erklimme wieder die erste Etage und werde auch sofort bedient. Wenige Sekunden später ist die Geschichte erledigt.
Wenn ich die Such-, Lauf- und Wartezeit abziehe, dauert so eine
Abmeldung nur ca. 10 Minuten. Und so teuer war es auch nicht. Mit knapp
16 Euronen ist man dabei.

Und wenn mehr Autos geklaut werden, geht es in Zukunft noch schneller.
Billiger wird es dann auch. Die Menge macht’s. Damit kommt Routine.

Also Leute, traut euch.
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3 Antworten to “Amtshandlung”

  1. DerEinzig said

    zumindest dauert damit das abmelden immer noch länger als der eigentliche akt des autodiebstahls.

  2. Karin said

    Wenn Du zum erstenaml dort warst, wie meldest Du DeinAuto an bzw. ab ??? oder bist du Fussgänger???

  3. . said

    Bisher haben das immer die netten Autoverkäufer mit erledigt. Und seit sieben (?) Jahren besitze ich kein eigenes Auto mehr – es sind sozusagen andere dafür zuständig.

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