Duftbaeumchens Blog

Endspurt

Posted by duftbaeumchen - 25. August 2005

Mittwoch, 24.08.2005
 
Endlich geht’s wieder nach Hause. Das ist ja nicht auszuhalten. Den ganzen Tag nur Sommer, Sonne und gute Laune – ekelhaft. Die Solidarität mit meinen Landsleuten gewinnt in mir die Oberhand.
 
Ich will heim.
Am Flughafen in Faro ging es dieses Jahr besonders schnell. Erfahrungsgemäß rechnete ich mit einer halbstündigen Verweilzeit in der Wartegemeischaft am Check In.
Doch was war das? Drei Schalter sind für uns vorgesehen. Zwei mit jeweils einer Menschenansammlung der geplanten Wartezeit entsprechend davor; eine völlig leer. Und an ebendieser steht unsere Flugnummer. Nichts wie hin.
Ich reiche Pässe und Buchungsbestätigung über den Tresen und die Dame fragt mich in gebrochenem Deutsch, ob ich eine …karte habe. Ich mißverstehe sie und sage vorsichtshalber erst mal "ja". Sie blättert die Dokumente durch und wiederholt ihre Frage. Ob ich eine Gold- oder Silberkarte besäße, will sie wissen. Ich blicke zum Monitor nach oben und verstehe.
Aha, dieser Check-In-Schalter ist den Vielfliegern vorbehalten. Ich lächle demütig.
Da zwischenzeitlich kein weiterer Fluggast hinter uns steht, zeigt sie Erbarmen und fertigt uns trotzdem ab. Stolz blitzt in unseren Augen – damit sind wir auf der sozialen Leiter gestiegen und bezeichnen uns nun als VIP. Very Important Persons. Die Mitglieder der Wartegemeinschaft neben uns schauen ganz neidisch. Und dabei hätte ich ihnen so gerne Gesellschaft geleistet.
Unsere Gepäckstücke entschwinden im Bauche des Flughafens und wir begeben uns zur Sicherheitsschleuse.

Vorsorglich entferne ich Gürtel und sonstige Metallgegenstände aus meiner näheren Leibesumgebung. Da ich die Knöpfe an der Jeans nicht abreiße, rutscht selbige trotzdem nicht nach unten. Ich werde durch das "Tor" gewunken – und es piept.
Der Sicherheitsmann guckt und läßt sich meine Schuhsohlen zeigen. Das war’s. Wahrscheinlich hat ihm ein spezielles Gefühl mitgeteilt, daß ich weder Sprengstoff, noch Waffen oder gar terroristische Gedanken mit mir führe. Wenn doch: Diese Hürde hätte ich überwunden.
Vielleicht war es aber auch mein vertrauenswürdiger Blick.
Naja, nicht vielleicht – mit Sicherheit.

Nach dem obligatorischen, zweimaligen Entleeren der Pionierblasen meiner männlichen Mitreisenden (Db berichtete) und einer geringfügigen Wartezeit, ging’s dann pünktlich los.
Beim Start knarrte es zwar verdächtig, aber es ist nichts Schlimmes  passiert.
Nach den Sicherheitshinweisen und einer weiteren Pause gab es dann endlich was zu Essen.
Der Koch gab sich richtig Mühe. Minikartoffeln mit Möhren und einer Art Schweinegulasch. Dazu Käse mit Schoko-Luftschaum-Puddeling; gekrönt von Messer, Gabel und Löffel in der Plastiktüte.
Jeder amerikanischen Airline hätte dieses Gericht Millionen gekostet – an Schadenersatzforderungen der Passagiere. Zum Ausgabezeitpunkt des in einer Aluminiumassiette verpackten Hauptgerichtes an die Reisenden hatte selbiges gerade den Siedepunkt unterschritten. Und so fühlte sich das auch an. Ohne Asbesthandschuhe war der fest verschlossene Deckel nur schwer verletzungsfrei zu entfernen. Nicht nur ich habe mir leicht die Finger verbrannt. Von der Zunge rede ich gar nicht erst.
Mit Erreichen der optimalen Verzehrtemperatur war’s dann aber doch richtig lecker.
Dazu ein Wässerchen – fein.
Weitere Besonderheiten fielen mir nicht auf; die Reise verlief ruhig.
Die Landebahn in Berlin-Tegel scheint mir allerdings kürzer zu sein als anderswo. Der Pilot setzte alles daran, die Maschine auf kürzestem Wege zum Stillstand zu bringen. Ohne Sicherheitsgurt wäre ich bestimmt unter den vor mir befindlichen Sitz gerutscht. Vielleicht mußte auch jemand von der Crew dringend auf Toilette oder nach Hause – wer weiß.

Anja holte uns ab.
Der Flughafen Berlin-Tegel ist auch von außen sehr verwinkelt. Mehrere Ebenen und Parkplätze – für Auswärtige auf den ersten Blick nicht zu durchschauen. Schon gar nicht im Dunkeln. Wir gingen beide das Auto aus der Tiefgarage  zu holen und ließen meine Mitreisenden mit dem Gepäck zurück.
Nun weiß ich ungefähr, wie das Gelände rundrum aussieht. Wir sind Ehrenrunden gefahren, haben fast alle Ebenen erkundet und die Wartenden dann doch gefunden.
Gepäck und Menschen verstaut – los geht’s. Bis Leipzig ist es nun nicht mehr weit, die Autobahn weitestgehend hindernisfrei.
Nach einer reichlichen Stunde – zu Hause.
 
Es hat sich nichts verändert. Wie auch, es war ja keiner da.
 
Nicht mal ein Einbrecher.
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Eine Antwort to “Endspurt”

  1. Karin said

    Du darfst gerne das herrschende Mistwetter mit uns teilen.Nix mehr mit VIP!!!

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