Duftbaeumchens Blog

Luftstau

Posted by duftbaeumchen - 11. August 2005

Mittwoch, 10.08.2005
 
Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Ich mache Urlaub. Im Ausland.
Ergo, um von L(eipzig) nach C(arvoeiro) zu gelangen, ist die Inkaufnahme eines längeren Reiseweges notwendig. Da der Materietransport aus quantenphysikalischer Sicht noch nicht alltagstauglich ist, sind wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wir, das sind Schwester K. mit Kind und Kegel (LAG) und meine Wenigkeit.
Bereits Anfang des Jahres buchte ich die Flüge. Von Leipzig bis Faro direkt; der Rückweg wird uns über Berlin führen, wo wir von einer lieben Freundin abgeholt werden. Nachts. Aus Kostengründen.
 
Im Rahmen der Effektivierung des Passagiertransportes entschied die Fluggesellschaft allerdings um.
Wir machen auf der Hinreise einen Zwischenstop in Stuttgart. Fein, da war ich noch nicht  – lerne also auch mal einen westbundesdeutschen Fliegerhaltepunkt kennen. Schade, daß der 50-minütige Aufenthalt nicht für eine Stadtrundfahrt reicht.
Überpünktlich sind wir ca. 2 Stunden vor Abflug am Check-In; schauen wehmütig unserem Großgepäck nach, als es im Schlund des Koffertransportsystems entschwindet.
 
Ob wir es jemals wiedersehen?
 
Nun heißt es warten. Wir vertreiben uns die Zeit. Leute beobachten, nach lesenswerten Zeitschriften Ausschau halten, ‚rumsitzen. Kind und Kegel gehen mehrmals pullern – die haben beide eine sogenannte "Pionierblase". Auch dabei vergehen die Minuten.
Wie erwartet, verzögert sich die ganze Angelegenheit.
Wir werden von einer 20-minütigen Verschiebung des Starts in Kenntnis gesetzt. Allerdings sollte sich diese Information als Schönfärberei entpuppen – die Flugvorbereiter brauchten eine halbe Stunde länger.
 
Endlich. Mit Kraft werden wir in die Polster der kuschelig-eng angeordneten Economy-Class-Sitze gepreßt und heben ab.
Die halbe Stunde bis Stuttgart vergeht wie im Fluge. Na gugge mal an. Zur Kurzweil trägt ein kleiner Snack, bestehend aus Marmorkuchen und Fruchtsaftgetränk, bei. Das ebenfalls im Tütchen befindliche Erfrischungstuch soll wohl die evtl. einsetzende Übelkeit nach Verzehr dieser Kombination lindern. Für dokumentarische Zwecke ließ ich den Inhalt unberührt. Einer muß ja den Flieger sicher landen, wenn sich der Rest (incl. Crew) vor Schmerzen krümmt.
Es ist aber nichts dergleichen passiert.
 
Der Zwischenstop in Stuttgart verlief komplikationslos. Nix mit Rundfahrt; wir durften gleich sitzen bleiben.
Man bedeutete uns allerdings, während des Auftankvorganges die Sicherheitsgurte nicht zu schließen.
Kein Vertrauen zur Technik?
 
Es ging alles gut. Und wieder los. Abermals entschweben wir dem sicheren Bodenkontakt. Noch wenige Stunden bis zum Meer. Über den Wolken können wir bereits die Sonne sehen; die uns erwartende Wärme spüren – trotz -52°C Außentemperatur. Niemand wagt sich angesichts dieser Kälte die Fenster zu öffnen.
Gut so.
Der Bord-Service kommt in die Gänge. Und die sind genauso breit, wie die schicken Wägelchen der Stewardessen. Was für ein Zufall.
Nun werden Speisen und Getränke gereicht. Wahlessen – ess‘ ich oder ess‘ ich nicht. Ich bestelle aus dem reichhaltigen Angebot Nudeln mit Ravioli rot-grün. So wie die anderen auch. Ist wohl heute im Angebot.
Schmeckt gar nicht mal so übel. Einen Gourmet lockt man damit sicher nicht vom Bordklo, aber Otto Normalflieger ist zufrieden damit.
Ein Kürbiskernbrötchen nebst Butter und Frischkäse ergänzt das Mahl.
Bemängeln muß ich an dieser Stelle die irreführende Verpackung des Frischkäses. Selbige stellte sich als Modelpackung dar – das darauf abgebildete Tomatenstück fiel dem Sparzwang der Fluggesellschaft zum Opfer und war nicht enthalten.
Dafür komplettierte ein Sahnepudding mit Höhenmesserfunktion die Speisenfolge.
Der Deckel wölbte sich derart, daß ich Angst hatte, diesen zu entfernen. Ich versuchte es trotzdem – der Pudding blieb still in seiner Behausung sitzen und sprang mir nicht entgegen.
Nachdem auch die Getränke ausgegeben waren (ich nehme absturzvorausschauend ein Wasser), ist unser Drei-Gänge-Menü perfekt. Daß über meinen Kopf hinweg Tabletts hin- und hergereicht werden, nehme ich freudig zur Kenntnis. Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, die Airline mit einer millionenschweren Schadenersatzforderung aufgrund stattgefundener Kopf-Tablett-Kontakte zu schröpfen.
Aber auch hier ist mir das Glück nicht hold. Die Damen machen das anscheinend nicht zum ersten Mal. Sollte ich in Zukunft nochmals an solch exponierter Position sitzen, werde ich aktiver mitarbeiten müssen.
Es muß doch möglich sein, einen kleinen Unfall zu provozieren.
 
Die Passagiere mumpeln so vor sich hin, schlürfen Cola, Wasser bzw. Tomatensaft.
Ich bin mir nicht sicher, ob Tomatensaft ein typisches Fluggetränk ist. Zumindest fällt mir das im Flugzeug immer wieder auf. Ein recht hoher Prozentsatz Mitflieger ordern gern dieses Getränk. Aus Sicht der Erstversoger im Falle eines plötzlichen zu-Boden-gehens des Aeroplanes ist die Verabreichung von Tomatensaft sicher nicht zu begrüßen. Wie soll man denn da entscheiden, wie die blutfarbenen Flecken auf der Kleidung der Abgestürzten entstanden sind? Saft oder Eigenblut?
Was ich aber an dieser Stelle eigentlich bemerken will: Die Passagiere sind mit Proviant versorgt, die Getränke sind ausgeteilt.
Und es macht "Kling".
Das Anschnallzeichen leuchtet auf.
 
Der Pilot teilt uns mit, daß es nun etwas hoppelig wird. Bloß gut, daß jeder etwas zum Verschütten vor sich stehen hat (mein fleckneutrales Wasser erweist sich als vorteilhaft und weitsichtig).
 
So schlimm wird es letztlich dann doch nicht; eher wie die Fahrt auf einer alten DDR-Schlaglochstraße.
 
Wie dem auch sei, wir sind wohlbehalten gelandet. Nach dem obligatorischen Beifallspenden der Allgemeinheit und dem unverständnisausdrückenden Kopfschütteln meinerseits, durften wir endlich aussteigen.
Nebenbei bemerkt: Warum erhalten Bus- und Bahnfahrer nie eine solche Beifallsbekundung? Gerade diese Berufsgruppe hat doch viel stärker mit Gegenverkehr und Rechtsüberholern zu tun. Mir ist allerdings noch nie aufgefallen, daß sich Nutzer der öffentlichen Nahverkehrsmittel applaudierend für einen verletzungsfreien Transport bedankten.
 
Dieter wartete bereits, sieht uns aber nicht. Ich fotografiere ihn und das Blitzlicht macht ihn auf uns aufmerksam. Ein Trick, denn ich mir merken werde.
Erstaunlicherweise sind unsere Gepäckstücke unversehrt und sogar mit dem gleichen Flugzeug zum gleichen Zielort transportiert worden.; wir konstatieren Vollzähligkeit. Nun steht den letzten Kilometern bis zu unserem Domizil nichts mehr im Wege.
Eigentlich haben wir körperlich nicht viel geleistet. Und doch äußert sich dieses Nichtstun in Schlaffheit und Lustlosigkeit. Wir gehen mit Siggi und Dieter noch ein Bier trinken und fallen dann müde in die Betten…
 
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Donnerstag, 11.08.2005
 
Nach Morgenlauf an der Küste, Frühstück und Einkauf bin ich schon einige Stunden in der Sonne. Die Sitzposition bekommt der Homogenität der Färbung meiner FKK-Haut nicht. Die Badehose sowieso nicht.
 
Die Südsonne macht sich schnell bemerkbar und verstärkt das bereits vorhandene Braun des Körpers. Allerdings mit hellen Stellen an den Knickpunktenb der Extremitäten und am Bauch – ab morgen werde ich die Sonnenzeit überwigend im Liegen verbringen müssen. Dem fällt dann zwar die kontinuierliche Berichterstattung zum Opfer, aber ich habe doch Urlaub.
 
Wolkenloser Himmel, ein Pool, auflandiger Wind, Sonne und dreißig Grad im Schatten.
 
Fast wie in Deutschland.
Oder etwa nicht?
 
P.S. Siggi und Dieter leben in Carvoeiro und vermieten ganzjährig Appartements. Wir kennen uns schon sehr lange, haben sogar mehrere Jahre zusammen gearbeitet. In Leipzig. Doch dann zog es beide in den Süden…
 
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