Duftbaeumchens Blog

Stadtlauf

Posted by duftbaeumchen - 6. August 2005

Ich fahre mit der Bahn. Straßenbahn.
Für
die Nichtstadtmenschen: das ist so ein Gefährt, welches sich, von
Schienen geführt und mittels in ca. 4-5m gespannter Metallseile mit
Energie versorgt, durch die Urbanisation bewegt und Bewohner sowie
Gäste ebendieser von A nach B transportiert. Manchmal auch nach C. Dann
mit Umsteigen.
 
Ich
sitze also in einem solchen Transportmittel und schaue aus dem Fenster.
Was soll man sonst auch tun, wenn man weder Lektüre noch einen
Gesprächspartner zur Verfügung hat. An einer Haltestelle sehe ich auf
der  gegenüberliegende Straßenseite einen Mann männlichen
Geschlechts, der sich soeben anschickt, seine Schritte zu
beschleunigen. Es wäre ein leichtes für ihn, die Bahn noch zu erreichen
– wir sind auf gleicher Höhe. Doch läuft er die Straße entlang.
Vielleicht hat er Angst selbige zu überqueren (kein Auto bzw. sonstiger
Verkehrsteilnehmer weit und breit). Er bewegt sich sozusagen
(bahn)-linienkonform in Richtung nächster Haltepunkt und entschwindet
in die Dunkelheit. Auch wir setzen uns in Bewegung – also die
Tram; ich verharre weiterhin still auf meinem Stühlchen. Bewege mich
also nur indirekt. Wie dem auch sei, das führt jetzt zu weit.
 
Kurz
vor der nächsten Haltestelle überholen wir den Läufer. Er sieht sich
nach uns um und macht den Eindruck, die Bahn wohl doch noch erreichen
zu wollen. Schwierig. Es sind noch ein paar Meter. Er wird schneller.
Doch es wird knapp. Der Tramlenker (naja, zu lenken gibts eigentlich
nicht viel) gibt Energie. Durch die Beschleunigung werden wir in die
Sitze gepreßt; ich habe Mühe, meinen Kopf ungestützt aufrecht zu
halten. Wenn ich noch lange Haare hätte – sie würden im Winde flattern.
Ein ungleicher Wettlauf.
 
Er hat verloren, hat es nicht geschafft. Nur wenige Meter, bevor der Streckenläufer sein Ziel erreichte.
 
Ich als Verkehrsbetriebler hätte es nicht anders gemacht.
 
Rankommen lassen – Tür zu – abfahren.
 
Das fetzt und trägt zur Erhöhung des Fitnesslevels der Stadtbewohner bei. Ist also keine Gehässigkeit, sondern nur Lebenshilfe.
Die nächste Bahn kommt bestimmt. Mal früher, mal später.
 
Und ab und zu regnet es.
So, wie gestern Abend.
 
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2 Antworten to “Stadtlauf”

  1. nici said

    Wie gemein! Ich lach mich schlapp …

  2. DerEinzig said

    hm, einträge wie dieser bestärken mich in der ansicht, das meine garage etwa so groß sein muss wie meine wohnung

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