Duftbaeumchens Blog

Raub der Sa-wesper-innen

Posted by duftbaeumchen - 31. Juli 2006

Zur Auswahl standen Pizza, Tomatensalat und halbtrockener Rotwein. Ansprechend kredenzt auf dem kleinen Tischchen auf meinem Balkon.

Die Damen entschieden sich für die mit – gestiftelten – Möhren, Ananas, Hühnchen und anderem Grünzeug beschichtete Teigplatte.

Hallo, Mädels! Das ist meine Pizza!


Bloß gut, daß die Einzelteile durch den Käse mehr oder weniger gut miteinander verklebt waren.

Die hätten mir doch glatt mein
Abendessen weggeschleppt.

Posted in Leben in der Stadt | Leave a Comment »

samstags wird gebadet…

Posted by duftbaeumchen - 30. Juli 2006

… damals wie heute.

Allerdings nicht mehr wie früher am Abend.
Der kosmopolitisch mit der Zeit gehende Großstadtindianer verlegt seine körperliche Wochengrundreinigung in die frühen, naja eigentlich seeehr frühen Tagesstunden und, um Nebenkosten zu sparen, in die freie Natur.

André S., seines Zeichens Salsero und derzeit Auslandsstudent, verschlug es wieder mal in heimische Gefilde; der wissenschaftliche Beirat – diesmal bestehend aus international renommierten Kapazitäten aus Medizin und Wirtschaft – traf sich zum fröhlich-sportlichen Zusammensein.
Frau Dr. med. dent. i. A. P. – weltweit besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Schnuckeline (ihDl) – hatte sich für diesen Abend besonders fein gemacht und den hochsommerlichen Außen- und den im Club zu erwartenden Innentemperaturen entsprechend leger und luftig gewandet.


Vor allem untenrum. Uiuiui. Seeehr schick.

War es die Hektik des Tages oder war es gar nur jugendlicher Leichtsinn?
Zumindest bewegte sie beim Betreten der Lokalität plötzlich die Frage:

"Was passiert überhaupt mit meinem Rock,
wenn ich mich schnell drehe?"

Zu spät.

Nun kommt es ja beim Salsa eher seltener vor, daß die Tänzerin von ihrem Partner in eine schwungvolle Körperwendung geführt wird.
Also höchstens alle drei bis vier Takte, um nicht zu sagen…

…mehr oder weniger ständig.

Ich vermute, Frau P. weiß das sogar. Die mentale Erörterung dieser Frage hätte demnach bereits gegen Mittag, also zu Beginn der frauentypisch mehrstündigen Kleiderauswahlphase erfolgen sollen.

Und nicht erst, wenn eh keine
Änderung mehr möglich ist.

Für das nächste Mal könnte ich ja solch lustigen Tischdeckenbeschwerer besorgen. Vielleicht hilft’s. Zumindest so lange sich diese am Rocksaum festkrallen und nicht geschoßartig durch den Saal fliegen.

Doch es ging alles gut.
Das Röckchen kannte sich mit den Gesetzmäßigkeiten zentrifugaler Kräfte aus und verhielt sich dementsprechend – der Stoff bedeckte mehr oder weniger gut ihre unteren Extremitäten und was viel wichtiger erschien, den Körperbereich direkt oberhalb.
Von der Ferne konnte ich nichts anstößiges erkennen und beim Selber-mit-ihr-tanzen hatte ich anderes zu tun, als ihr ständig unter den Rock zu gucken.

Als Schentelmänn weiß ich, was sich gehört.


Nebenbei bemerkt: Salsa ist keine Bootspartie für Rentner, sondern harte Arbeit.


Auf Nachfrage konnte ich ihr somit guten Gewissens die virtuelle Last von den zarten Schultern nehmen, etwas verruchtes zu tun.

Wobei…
Ganz so jugendfrei war es doch nicht.
Die Schnappschüsse der zur Feier des Tages mitgeführten und sogar eingesetzten Digicam offenbarte beim PPP (Post Production Process) am heimischen Computer, daß kurzzeitig doch mehr ent- als verhüllt wurde.

Skandal!

Wie dem auch sei: Schnuckeline, wir haben jetzt ein Geheimnis.
Von mir erfährt niemand was.

Davon abgesehen: Mademoiselle hätte gar keine Zeit gehabt, sich auch noch um ihr Beinkleid zu kümmern, da sie vollauf mit der Bändigung ihrer Haare beschäftigt war. Mein Einwand, zukünftig ein Haarnetz bzw. einen in Krankenhäusern als Mörderduschhaube bekannten
blauen Schuhüberzieher zu verwenden, wurde als Spinnerei abgetan.
Naja, so sind die jungen Fräuleins heutzutage. Starr- und eigensinig; nehmen keine Ratschläge von lebenserfahrenen Mitbürgern an. Und dabei habe ich es nur gut gemeint.

In Anbetracht der Hitze – die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit eines deutschen Norm-Handtuches ist eindeutig zu gering – bedauerte ich stellenweise, das sich der Minirock für Männer noch nicht als Grundbestandteil der Herrengarderobe durchgesetzt hat.
Nun ja, so hat jeder sein Päckchen zu tragen. Frauen müssen in Schuhen tanzen, in denen sie nicht mal richtig laufen können und wir Männer müssen uns – mehr oder weniger korrekt gekleidet – bei gefühlten und windstillen 40°C Raumtemperatur abmühen, die Partnerin durch optisch ansprechende Figuren zu führen und einfach nur hinreißend aussehen zu lassen.


Wer schön sein will, muß leiden.

Man(n) kennt das ja.

Hm, und was hat das alles nun mit der samstäglichen Körperhygiene zu tun?
Na das ist doch ganz einfach.

Erstens: Wir transpirierten.
Zweitens gab Herr S. im Vorfeld der Veranstaltungsplanung bekannt, daß er anschließend unbedingt und kompromisslos noch baden gehen wolle und die Teilnehmer entsprechende Ausrüstung mitzuführen hätten.
Ich persönlich benötige ja für derartige Unternehmungen kein umfangreiches Equipment. Ein handtuchgroßes Handtuch genügt völlig und selbst das kommt beim Baden nicht direkt zum Einsatz, sondern dient vorwiegend der Feuchtigkeitsentfernung danach.
So begab es sich also zu einer Zeit (es war schon nach zwei Uhr in der samstäglichen Früh‘), daß zwei Drittel der sechsköpfigen Mannschaft einen kurzen Ausflug zur stadtrandigen Großbadewanne unternahmen und in den See stachen.
Mit sich selbst sozusagen.


Lauwarmer Wind umschmeichelte unsere im nichtvorhandenen Neumondlicht mattglänzenden, athletischen Körper, das Wasser war erfrischend naß und in weiter Ferne erhellten kurzzeitig Gewitterblitze den tiefdunklen Nachthimmel.
Mein Vorschlag, Kleiderverstecken zu spielen, wurde diskussionslos zurückgewiesen – zwanzig Meter vom Ufer waren die wenigen Klamotten sowieso nur noch schemenhaft zu erahnen; das Spiel erübrigte sich. Auch der Einsatz von Tauchern, die von unten sanft an den Füßen kitzelten, wurde als "zu gruselig" abgelehnt.
Toll, da denke ich mir einmal im Jahr ein richtig gutes Kulturprogramm aus und dann geht niemand drauf ein.

Die Damen hatten sich zickig wie kleine Mädchen.

Aber nach Hause gefahren werden, das wollten sie dann wieder.

Weiber!!

Und Duschbad hatte ooch keener mit.

Posted in Leben in der Stadt | 1 Comment »

Kunstkäse

Posted by duftbaeumchen - 27. Juli 2006

Obwohl das Wort "stifteln" im aktuellen Duden überhaupt nicht vorkommt, ist es aus dem täglichen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken.
 
Zumindest bietet Herr Guhgl mehr als 900 Fundstellen.
 
Und auf der Käsepackung von Aldi steht’s auch.
 
 

Posted in dies und das | Leave a Comment »

Tip vom Hausmännchen

Posted by duftbaeumchen - 25. Juli 2006

Fettflecke auf heller "Wohnlandschaft" halten sich besonders lange, wenn man sie regelmäßig mit frischer Butter bestreicht.

Man sollte allerdings darauf achten, nur wasserarmen Brotaufstrich zu verwenden.

Sonst bleiben so komische Ränder.


Und das sieht nun wirklich nicht schön aus.


Posted in dies und das | Leave a Comment »

Rendez-vous im Dunkeln

Posted by duftbaeumchen - 25. Juli 2006

Liebe Spacelinge,

ich möchte nur kurz mitteilen, daß ich mich aufgrund wiederholter Bilder-hochlade-Probleme über meinen Logbuch-Beherberger MSN geärgert habe und deshalb nichts über das "Rendez-vous im Zoo" vom vergangenen Freitag berichten werden.

Ich schreibe also nicht, daß – wie immer, wenn ich in die hiesige Tieraufbewahrungs- und Zur-Schaustellungsanstalt besuche – viele der Geschöpfe bereits zur Nachtruhe in ihre Gemächer verschwunden waren und sich damit der Begutachtung durch die breite Öffentlichkeit entzogen.
Ich verschweige außerdem, daß ich nicht alleine dort war, daß die meisten Anwesenden die Füße beim Laufen nicht heben können und deshalb eine Staubentwicklung zu verzeichnen war, die einer Fahrt durch trockenes Savannengebiet glich und daß für das "Kinderreiten" gar keine richtigen Kinder mehr zur Verfügung standen, sondern nur Esel oder Ponies oder was auch immer. Ich kenne mich da nicht so aus.
Die Jungspunte hatten sicher einen anstrengenden Tag hinter sich und waren bereits zu Bett.

Gut, für zweieurofünfzig habe
ich auch nicht mehr erwartet.

Prinzipiell gesehen war es ein ganz angenehmer Abend, wenn man von den vielen Leuten, dem Geschrei der Tiere und dem Lärm auf der extra für diesen Abend aufgebauten Bühne absieht.

"A Tribute to Phil Collins"


Wenn Herr Collins nicht bereits seine Abschiedstour hinter sich gebracht hätte, man hätte glauben können, er stünde livehaftig auf dem Podest. Keine Ahnung, wer es war. Rein optisch meilenweit vom Original entfernt, akustisch dagegen fast eine Eins-zu-Eins-Kopie.

Aber das verrate ich ja nicht.


Genausowenig möchte ich auf die Nachtwanderung zum Zooschaufenster eingehen, daß selbige schwach illuminiert wurde durch in weiter Entfernung befackelte Gruppen- und Grillmeetings auf der grünen Wiese bzw. daß Frau W. in aller Öffentlichkeit hinter den Busch gepullert hat.

Außer meiner Kamera hat es ja niemand gesehen.


Ich hab schon viel zu viel geschrieben.

Schluß nun.



Posted in Leben in der Stadt | Leave a Comment »

Baumschule

Posted by duftbaeumchen - 23. Juli 2006

Gestern war’s naturwissenschaftlich.
Insbesondere untersuchten die Teilnehmer des freikörperkult(o)uristischen Strandkolloquiums wichtige Gesetzmäßigkeiten aus Physik und Mathematik auf Alltagstauglichkeit.
Neben Binomischen Formeln wurden auch die Kreiszahl Pi, der Satz des Pythagoras und die Regeln zum Lösen von Sudoku-Rätseln genauer unter die Stammtischwissenschaftlerlupe genommen und tiefgründig erörtert.
Die minutenlange Diskussion bezüglich der allseits bekannten Weg-Zeit-Geschwindigkeit-Relation gipfelte dann in der richtigen Erkenntnis: t=s/v (respektive v=s/t).

Aber deswegen muß man doch nicht solch einen Lärm veranstalten…


Abgehakt, wir wenden uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu.


Auch die Einsteinsche Relativitätstheorie fand kurz Erwähnung, wurde aber sofort duch die Fragestellung verdrängt, ob Feder oder Wackerstein im luftleeren Erlenmeyerkolben schneller zu Boden fällt.
Dabei führte nicht so sehr der wissenschaftliche Fakt, sondern mehr die Form des Kolbens zu hitzigen Diskussionen. Ist der Kolben nun unten rund oder bleibt er wegen seiner geraden Grundfläche von selbst auf dem Tisch stehen?

Ein Streitpunkt, der nur mit
Mühe aufgelöst werden konnte.


Vielleicht lag es an der ungebremsten Sonneneinstrahlung, vielleicht auch an den seltsamen, nach amerikanischem Vorbild
durch Packpapier dem öffentlichen Einblick entzogenen flaschenähnlichen Behältnissen, die regelmäßig die Runde machten – manchen fachlichen Ausführungen konnte ich später nur noch bruchstückhaft folgen.

Die Herrschaften nuschelten irgendwie seltsam.


Letztlich war es aber trotzdem ein amüsanter und vor allem lehrreicher Nachmittag, der nur durch ein Erdbeereis bei Schnuckeline (hDgdl) übertroffen werden konnte.

Nur knapp, aber immerhin: das Eis schmeckte oberlecker.

Und Nachschlag gab’s obendrein.


Warum also einen teuren Bildungsurlaub in fremden Ländern buchen, wenn ich auch so meine Wissensdatenbank auffrischen kann.

Jungs, macht weiter so.
Ich bin schon auf das nächste Wochenende gespannt.

Posted in Leben in der Stadt | Leave a Comment »

Peter-Prinzip

Posted by duftbaeumchen - 22. Juli 2006

Ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Mutter über die Konsequenzen ihres Tuns im Klaren ist.

Ich bin gehalten, als einziger ortsansässiger Hinterbleibender während der Urlaubszeit die Pflanzenpflege zu übernehmen.

Auch wenn ich mir noch so Mühe gebe, …

…ich garantiere für nichts.


Selbst genau aufgestellte Gieß- und Besprechungspläne werden wenig helfen.
Da ich weiß, daß ich auf dem Gebiet der Floristik meine Stufe der Unfähigkeit  erklommen habe
(ich komme in einem späteren Beitrag noch einmal auf diese Gesetzmäßigkeit zurück), gibt es in meinem Haushalt keine lebendigen Pflanzen. Man muß die Geschöpfe ja nicht unnötig quälen. Selbst das Gartenkraut Basilikum hat bei mir nur geringe Überlebenschancen.

Vom Verzehr der Blätter mal abgesehen.


Bisherige Versuche, den grünen Tomaten-Mozzarella-Aufstrich im heimischen Ambiente über mehr als drei Tage am Leben zu erhalten, schlugen konsequent fehl.
Also habe ich mich nach dem neuerlichen Kauf eines kleinen Töpfchens Grünzeug extra im Netz der Netze kundig gemacht und tiefgründig in die  Zucht- und Entwicklungsgeschichte des ocimum basilicum eingearbeitet.  Dabei erkundete ich, daß viel Licht und viel Wärme zum Gedeih der Sprießlinge vonnöten seien.

Kein Problem. Die Jahreszeit ist optimal.


Auf dem Balkon gibt’s zur Zeit von beidem eine Menge. Die zusätzlich benötigte Wasserversorgung realisierte ich morgens und abends per Hand.
Warmes, feuchtes, helles Klima – wie es im Buche steht.
Sechs Tage ging das auch gut. Die Blätter wurden zwar geringfügig schrumpelig, aber im Großen und Ganzen schien meine Pflegemethodik doch zu fruchten.

Schien.


Was sehe ich vorhin?

Gekrümmt und kraftlos gehorchen die Stengel der Schwerkraft und neigen sich zur Seite bzw. nach unten; die Blätter sind wesentlich kleiner als vor 24 Stunden.

Vielleicht hätte ich sie gestern – trotz des vorhergehenden nächtlichen Regengusses – doch noch mal gießen sollen.

Auf ein neues.


Irgendwann muß das doch mal klappen.

Und es soll hinterher niemand behaupten, ich hätte nichts gesagt.

PS: Ach ja, der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen.
Die meisten Blätter zupfe ich nach dem Kauf sowieso ab und lagere sie in der Tiefkühle.
Erstaunlicherweise halten die sich dort wesentlich länger.

Das mit dem warmen, hellen Klima kann irgendwie nicht ganz stimmen.


Posted in dies und das | Leave a Comment »

Spieltrieb

Posted by duftbaeumchen - 20. Juli 2006

Das Original ist irgendwo verschollen.
Jedoch digitalisierte ich wohlweißlich und bereits vor ca. zwei Jahren diesen Meilenstein neorealistischen Kunstschaffens.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Ehre Ihnen vorstellen zu dürfen:

Frau Frülln
Spieltrieb



Ihrer Genialität entsprang dieses Kunstwerk niegesehener Vollkommenheit.
Van Gogh? Rubens? Da Vinci? Kenn‘ ich nicht.

Wie macht sie das nur? Liebste Freundin, Nachbarin, Kollegin und Künstlerin zugleich. Dazu noch Hausfrau und Blumenzüchterin.

Ein Teufelsweib.


Posted in dies und das | Leave a Comment »

Scheinversand

Posted by duftbaeumchen - 19. Juli 2006

"Britische Regierung steckt
16 Millionen Pfund in Roboterflugzeug" (1)


Toll.

In kleinen, nicht fortlaufend numerierten Scheinen oder als Münzen?

Falls doch als Hartgeld:

Achtung!
Maximal
zulässiges Gesamtgewicht beachten!




(1) http://www.heise.de/newsticker/meldung/75634

Posted in Nachrichten und Politik | 2 Comments »

Abschnittsbevollmächtigter

Posted by duftbaeumchen - 18. Juli 2006

"Einmal Rundschnitt bitte, aber nicht so kurz."


Das war mein Spruch.


Früher, in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, meine Körperbehaarung konzentrierte sich noch hauptsächlich auf einen relativ gesehen kleinen Bereich oberhalb des Halses, mußte auch ich ab und zu zum Friseur. Den optimalen Zeitpunkt berechnete meine Mutter nach einer mir nicht erkennbaren Formel – oder anders ausgedrückt: Mütter haben das im Gefühl.
Bei männlichen Kindern allerdings anders als bei weiblichen.
Deshalb mußte ich auch viel öfter zum Haareschneider als Schwester K.

Wesentlich öfter.


Doch das war auch nicht nur nachteilig. Mit Adler-, Argus- und allen mir damals zur Verfügung stehenden Hühneraugen, beobachtete ich aufmerksam die Schnittführung des Meisters, die Art und Weise, wie er geschickt und behende meine vorjugendliche und wesentlich üppigere Haarpracht in neue Form brachte.
Wobei… Eine neue Form in dem Sinne war es ja nicht direkt. Eigentlich sah ich aus wie vorher, nur waren die Zotteln eben ein paar Zentimeter kürzer.

Die Beobachtungen beim Coiffeur sollten mir auch im häuslichen Bereich noch von Nutzen sein.

Und so möchte und muß ich mit nachstehender Schilderung eines Ereignisses aus früher Jugend die Welt- und insbesondere die familieninterne Geschichtsschreibung in neue Bahnen lenken.

Es begab sich also zu einer Zeit…

Um es abzukürzen: Ich legte Hand an die Haarpracht meiner kleinen Schwester.
Nicht, weil ich Langeweile hatte oder Spielzeug jedweder Art kurzfristig nicht zur Verfügung stand.
Nein.
Diese, damals frevelhafte und heutzutage bei Familienfestlichkeiten immer wieder gern zum Besten gegebene Tat hatte rein praktische Gründe. Auch wenn die wahre Ursache gern verdrängt und verschwiegen wird, so betone ich hier und jetzt mit Nachdruck:

Der Kaugummi war schuld!


Ein elendiger und vor allem hinterhältiger West-Kaugummi.
Warum kriecht der auch auf den Kopf des Kindes und versucht sich im Gezausel zu verstecken?
Ich habe mir doch alle erdenkliche Mühe gegeben, ihn rückstandsfrei zu entfernen. Die Kauketscher aus dem kapitalistischen Ausland waren damals besonders anhänglich und wollten nun mal partout nicht loslassen.
Also mußte ich zum äußersten Mittel greifen und besann mich auf die Lehrvorführungen meines Friseurs.
Aus der Perspektive des Kunden sah das immer ganz einfach aus. Hier ein bisschen weg, dort ein Zipfelchen abgeschnitten und kurz drübergekämmt. Fertig.
Eine Mark fünfunddreißig wechselten den Besitzer und ich hatte wieder Ruhe für einige Wochen.

Na das kann ich auch.


Ich schnitt des verklebte Haarbüschel einfach ‚raus und war höchst zufrieden mit meiner Leistung.

Der Schandfleck war verschwunden.


Ersetzt durch einen neuen.


Zumindest in den Augen meiner Mutter.
Offensichtlich war sie mit meinen Vorstellungen moderner Haarmode nicht ganz einverstanden.
Naja, damals waren die Zeiten auch noch nicht so progressiv wie heute.

Da fällt mir ein: Ich bekomme
doch eigentlich noch Geld…

Posted in historisches | Leave a Comment »